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sind meistens auch die, die sich dem Paddler am nachhaltigsten und intensivesten einprägen. Eine völlig neue Erlebnisform eröffnet sich dem Einsteiger, starke und ungewohnte Eindrücke prasseln buchstäblich auf Ihn ein. Wildwasserfahren ! Wissenschaftler führen den besonderen Reiz dieser wie auch anderer Outdoorsportarten auf die unreflektierte, sofort auf die Wahrnehmung folgende Körperreaktion zurück - das normale Reaktionsmuster Wahrnehmung - Reflektion - Reaktion wird ausser Kraft gesetzt. So ist die Einheit von Geist, Körper und Natur das, was vom Paddler letztendlich im Wildwasser wahrgenommen wird. Die Erfahrung persönlicher Grenzen, das Bewußtsein der eigenen Belanglosigkeit angesichts einer übermächtigen Natur und die Überwindung des inneren Schweinhunds machen aus Wildwasserfahrern andere Menschen. Menschen, die auch ihren Alltag anders bewältigen können als reine Schreibtischtäter.
Wildwasserfahren: Das heißt auch und auf dem Raft mit anderen Menschen gemeinsam Dinge zu erleben, Herausforderungen zu bestehen und sich blind aufeinander verlassen zu können. Kameradschaft ist eine oft mißbrauchte Worthülse. Im Wildwasser wird das Wort im besten Sinne auf seine eigentlichen Inhalte zurückgeführt.
Wildwasserfahren soll also Spaß machen. Adrenalin durch die Adern treiben. Hochgefühle aufkommen lassen. Es soll nicht zum Horrorerlebnis werden und es soll niemanden existenziell gefährden. Auch die Extremisten achten auf dem Fluß intensiv und konsequent auf Ihre persönliche Sicherheit - leichtsinnige Hasardeure haben in diesem Sport nur eine kurze Halbwertzeit.
Es gibt genug Leute, die nach Ihrer ersten, mißlungenen Tour ihr Boot in die Ecke gestellt und nie wieder angerührt haben. Sie bringen sich um eines der nachhaltigsten und intensivsten Erlebnisse, das in einer von gesellschaftlichen Zwängen und geografischer Enge dominierten Zeit erlebbar ist. Schade darum !
Du hast es selbst in der Hand, dir diese Erlebnisform zu erschließen. Laß es langsam angehen ! Bereite Dich gründlich vor und nimm Dir am Anfang nicht zuviel vor. Suche Dir die richtigen Leute aus, mit denen Du diese Erfahrung teilen möchtest und gehe niemals allein aufs Wasser. Nicht umsonst gibt es Unternehmen, bei denen man den Umgang mit Wildwasser erlernen kann. Oft ersetzt ein kurzer Kurs einen langen Leidensweg, der durch hausgemachte und später nur schwer korrigierbare falsche Techniken verursacht wurde und einem den Spaß am Bootfahren kräftig vermiest. Es gibt Vereine, in denen sich Wildwasserfahrer organisieren - welcher Verein für Dich in Frage kommst, bringst Du am leichtesten in dem nächsten Paddelshop in Erfahrung. Es gibt mehrere Magazine für Wildwasserfahrer, denen Du weitere Informationen entnehmen kannst. Und, last not least, es gibt Raftingcompanies, die Dir eine intensive Wildwassererfahrung für relativ wenig Geld ermöglichen - ein guter Weg, um zu sehen, ob Dir die Materie überhaupt Freude bereitet.
Vielleicht bist Du schon ein erfahrener Widlwasserfahrer und sattelst jetzt um auf Rafting - als Guide in einer der Companies, von denen ich vorher geschrieben habe. Bedenke, daß jeder Teilnehmer sich blind darauf verläßt, daß Du die Situation beherrschst, daß du mit Laien zu tun hast, die zwar engagiert paddeln aber als Schwimmer im Wildwasser schnell an Ihre Grenzen kommen. Mache Dir bei jeder Tour die Verantwortung bewußt, in der Du stehst. Strebe nach Perfektion - im Umgang mit dem Element wie mit Deinen Teilnehmern. Halte Deine Ausrüstung in Schuß und erlaube Dir da nicht den Hauch einer Nachlässigkeit - das kann unglaublich in die Hose gehen. Informiere Dich über Deine rechtliche Situation, die Haftungssituation und mögliche Auflagen durch die Behörden.
Ausbildungen werden nicht umsonst angeboten - der Umstieg vom Kajak auf das Raft ist kein kleiner Schritt, und eine fundierte Ausbildung hilft Dir über die Einstiegsprobleme hinweg.
Fühle Dich niemals sicher - noch soviel Routine und Erfahrung ändert nichts daran, daß auch Du auf dem Bach nur solange kein Wicht, wie Du Dich auf Deinem Boot befindest - als Schwimmer in WW IV ist Deine Aktionsfähigkeit nicht mehr viel wert. Und: Habe Spaß und laß es die anderen merken - ein Sauertopf als Raftguide ist ein Fehlbesetzung.
Gegen den Fluß geht nichts ! Dieser Prämisse sollte jeder Annäherung an fließendes Wasser gehorchen - sei es als Schwimmer, mit Kanu, Schlauchkanadier oder Raft. Strömendes Wasser entwickelt Kräfte, die dem Laien nur schwer verständlich zu machen sind: Bei hohen Wasserständen führt beispielsweise der Inn bis zu 300 qm/sec - das entspricht 300 Tonnen oder 300.000 kg Wasser pro Sekunde, oder , etwas anschaulicher, 4 vollbeladenen Fernlastzügen mit 20 Meter Länge pro Sekunde. Die Kräfte, die auf Flüssen wie Amazonas, Colorado oder Thomson entstehn, entziehen sich schon fast einem europäisch geprägten Wildwasserfahrerverständnis: 20.000 (!) qm/sec und mehr fallen hier zum Teil an. Geschichten von 20 Meter langen, mit mehreren Aussenbordern bestückten Rafts, die auf diesen Flüssen schon durch die Luft gewirbelt wurden oder die völlige Umgestaltung von Alpentälern durch extreme Hochwasser sind nicht aus der Luft gegriffen und markieren die Spitze eines Eisbergs strömungbedingter Schäden. Um beim Eisberg zu bleiben: Viel häufiger passiert es, daß vermeintlich harmlose Flüsse in Ihrer Wucht und Gefährlichkeit sträflich unterschätzt werden und Menschen an Stellen verunglücken, die auch erfahrene Wildwasserfahrer immer wieder erstaunen läßt.
Gegen den Fluß geht nichts - das heißt, daß jeder Wildwasserfahrer sich intensiv mit Strömungsformen auseinandersetzen muß und gut daran tut, seine Fahrtroute vorhandenen Strömungen anzupassen, im Idealfall also das Wasser für sich arbeiten zu lassen. Gute Wildwasserfahrer erkannt man daran, daß sie mit minmiertem Kraftaufwand Stellen bewältigen, die von anderen Fahrern höchsten Krafteinsatz verlangen - neben der Fahrtechnik spielt die richtige Einschätzung von Strömungsformen hierbei die zentrale Rolle.
Es geht also darum, aus dem Fluß zu lesen - welche Strömung ist unmittelbar vor mir, was wird Sie mit meinem Boot anstellen, wie kann ich sie für mich nutzen, und: wie wird sie in dem Moment aussehen, in dem sie mein Boot berührt ? Strömungen ändern sich laufend. Wellen brechen sich in unregelmäßigen Abständen in unterschiedlicher Richtung, Kehrwasser pumpen, urplötzlich steigen im Fluß Wasserpilze auf usw. usf. Außerdem lassen sich Strömungen nur schwer kategorisieren: keine der nachfolgend beschriebenen Strömungsformen existiert auf irgendeinem Fluß in Ihrer 100%igen Reinform- zu vielfältig sind Faktoren wie Beschaffenheit und Gefällwinkel des Flußbettes, Fließgeschwindigkeit, Wassermenge oder Breite des Flusses, als daß die nachfolgende Beschreibung Anspruch auf Vollständigkeit erheben könnte. Sie ist als Versuch gemeint, Strömungsphänomene transparent zu machen, soll Neulingen im Wildwasser als Orientierungshilfe dienen und den alten Hasen Lust darauf machen, sich mit einem alten Thema wieder neu auseinanderzusetzen.
Nicht umsonst gilt das Kehrwasser als eine der, wenn nicht überhaupt als die wichtigste Strömungsform. Geschichten, die sich um das letzte, winzige Kehrwasser vor dem unfahrbaren 8m Steilabfall mit unsauberem Unterwasser drehen, sind in der Wildwasserszene Legende. Kehrwasser sind im Wortsinn der letzte Halt des Paddlers: hier ist es (relativ) ruhig, man kann pausieren, Atem holen, aussteigen, als Schwimmer das sichere Land erreichen, Brotzeit machen, kurzum: man kann (fast) alles tun, was man mitten im Wildwasser sonst nicht kann. Darüber hinaus kann das Kehrwasser zur taktischen Unterstützung von Steuermanövern genutzt werden und ermöglicht zum Teil radikale Manöver, die sonst nicht möglich wären.
Kehrwasser sind die strömungsberuhigten bzw. hauptströmungsgegenläufigen Bereiche, die sich hinter Hindernissen wie Steinen, Brückenpfeilern oder Felsnasen im Fluß bilden. Direkt hinter dem Hindernis bildet sich eine Zone in der das Wasser flußaufwärts strömt, steht, oder erheblich langsamer als die Hauptströmung fließt. Das Wasser „kehrt“ quasi hinter dem Hindernis ein. Dieses Strömungsverhalten ist direkt hinter dem Hindernis am intensivsten und wird mit zunehmender Entfernung immer schwächer. Zwischen dem Kehrwasser und der entgegengesetzt abfliesenden Hauptströmung entwickelt sich eine Verscheidungszone, die direkt am Ursprung sehr schmal und intensiv ist und weiter flußabwärts immer breiter und schwächer wird, bis sich Geschwindigkeit und Richtung von Kehrwasser und Hauptströmung wider angeglichen haben. Diese V-förmige Verschneidungslinie wird in einem verbreiteten Anglizismus auch „Eddy-line“ genannt, „Eddy“ ist der engliche Ausruck für Kehrwasser.
Befahrung:_ Das richtige Einfahren ins Kehrwasser läßt sich letztlich nur durch permanentes Üben erlernen. Kehrwassertraining sollte insbesondere für Wildwasseranfänger einen hohen Stellenwert haben und auf jeder Befahrung immer wieder übungshalber praktiziert werden.
Größe des Kehrwassers, Geschwindigkeit von Hautpströmung und Kehrwasser, Größe und Gewicht des Bootes und die auf dem Boot realisierbare Padelleistung bedingen die richtige Ausgangsposition des Bootes sowie den richtigen Anfahrtswinkel und die passende Geschwindigkeit. Als grobe, immer auf die jeweiligen Umstände abzustimmende Empfehlung, versteht sich folgender Ansatz:
Ausgangsposition ca. 1-2 Bootslängen Entfernung des Bootes vom Kehrwasserursprung in Richtung Hauptströmung relativ weit oberhalb des KW-Ursprungs, Anfahrtswinkel ca. 60° zur Hauptströmung, Einfahrt so kurz wie möglich unterhalb des Ursprungs mit maximaler Geschwindigkeit. Sobald das Kehrwasser nach Überschreiten der Eddyline am Bootsbug angreift, wird das Boot durch die Strömung in eine Kurve zum Kehrwasserursprung gelenkt. Dementsprechend ändert sich der richtige Anfahrtswinkel mit Strömungsgeschwindigkeit und Größe des Kehwassers. Je höher die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Hauptströmung und Kehrwasser, desto kleiner wird der Winkel zwischen Hauptströmung und Anfahrtsroute - je kleiner das Kehrwasser, desto größer wird dieser Winkel.
Am Anfang ist eine weit vorher angesetzte, immer wieder korrigierbare Anfahrtsroute gut geeignet, um die hier besonders wichtige, korrekte Einschätzung von Strömungs- und Bootsgeschwindigkeit zu erlernen. Konkret meint das: Boot weit oberhalb ausrichten, ein Schalg vorwärts, kurze Pause und Situation neu Einschätzen, dann wieder ein Schlag, oder, wenn man schon zu nahe am Hindernis ist, eventuell ein Korrekturschlag rückwärts. Erst wenn wir direkt am KW-Ursprung sind, geben wir richtig Gas und: stehen im Kehrwasser.
Bei Schlauchkanadiern wird über die Auswahl der richtigen Einfahrtsroute hinausgehend noch die richtige Verlagerung des Schwerpunktes Thema: Im Moment der Überquerung der Eddyline müssen die Paddler auf dem Schlauchkanadier Ihr Körpergewicht in der richtigen Dosierung zum Kehwasserursprung verlagern, das Boot in Richtung Ursprung aufkanten und, nach dem Abschwingen des Bootes im Kehrwasser, den Systemschwerpunkt wieder zentrieren. Eine Paddelstütze auf der Kurveninnenseite erleichtert den dosierten Einsatz des Körpergewichtes und hilft, eine Kenterung in die Innenkurve zu vermeiden.
Auf Rafts wird die Verlagerung des Systemschwerpunktes eigentlich nur in wirklich abnorm großen Kehrwässern erforderlich und erfolgt dann mit den sogenannten „Hyside“-Kommandos. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Querbeschleunigung, die auf die Paddler auf dem Raft direkt bei der Einfahrt in ein starkes Kehrwasser einwirken kann. Wenn im Moment des Abschwingens alle Paddler auf den kurvenäußeren Wulst purzeln, kann es auch auf eine relativ leichte Strecke zum Flip, also zur Kenterung kommen. Unvergessen das Gesicht eines wirklich erfahrenen Guides, als er bei der Ausfahrt aus einem eher mäßig starkem Kehrwasser mit 8 etwas korpulentern Mitarbeitern der Pharmaindustrie auf dem kurvenäusseren Wulst konfrontiert wurde und das Boot im Zeitlupentempo umschlug...
Verschneidungszonen entstehen immer dann, wenn Strömungen unterschiedlicher Richtung oder Geschwindikeit aufeinandertreffen. Klassische Beispiele sind Flußeinmündungen, Prallwände und Verschneidungszonen von Kehrwassern. Deutlich sichtbare, für den Paddler relevante
Verschneidungszonen entstehen naturgemäß häufiger auf wasserreichen und wuchtigen Flüssen oder in engen Schluchten aus gewachsenem Fels, wo häufig bizarre Auskolkungen am Boden des Flußbettes die Richtung einzelner Strömungsbereiche stark ablenken.
In Verschneidungszonen bilden sich in der Regel nur schwer einschätzbare Strömungsphänomene: nach unten weisende, rotierende Strömungstrichter (Strudel), unerwartet aufquellende Wassermengen (Pilze) oder sich unregelmäßig horizontal überlagernde Strömungsbereiche unterschiedlicher Richtung und Intensität.
Befahrung: Die nur schwer definierbaren und kaum zu kalkulierenden Richtungs- und Drehimpulse, die ausgeprägte Verschneidungen auf Boote ausüben, legen im Zweifellsfall ein möglichst schnelles Überqueren von Verschneidungszonen nahe. Gute Reaktion, schnelle Gewichtsverlagerung und effiziente Paddelstütztechniken sind mit dem Schlauchkanadier erforderlich, um die oft unerwartet angreifenden Strömungskräfte auszugleichen und eine Kenterung zu verhindern.
Stromzungen entstehen in der Regel bei Gefällwinkelzunahme des Flußbettes, d.h. am Beginn von Schwällen, Abfällen, Katarakten usw. Über die gesamte Flußbreite betrachtet, markiert die Stromzunge den Weg, den das Wasser vergleichsweise hindernislos fließen kann, d.h. das Wasser fließt dort relativ schnell und fast ohne Wellenbildung. Die Stromzunge verjüngt sich in der Regel V-förmig und es entsteht an deren Ende oft eine relativ hohe und kräftig Welle oder Walze.
Befahrung: In Abstimmung auf den Folgeverlauf des Flusses kann die Stromzunge in der Mitte befahren werden. Bei extrem starker Wellenbildung an den Flanken bzw. am Ende der Zunge kann es ratsam sein, die Stromzunge bis kurz vor Ihrem Ende zu befahren und vor der Endwelle nach links oder rechts auszubrechen. Dabei sollte die Bootslängsachse in etwa im 90° Winkel zum Kamm der Flankenwelle, die überquert werden muß, ausgerichtet werden.
Ausgeprägte Stromzungen sind ein gängiges Indiz für den Verlauf der Hauptströmung, die sich in der Regel als die optimale Befahrungsroute eignet.
Im Gegensatz zu stehenden Gewässern, wo der Wind die Hauptursache für Wellenbildung ist, entstehen größere Wellen in Flüssen ausschließlich durch Strömungshindernisse. Typischerweise bilden sich Wellen hinter Strömungshindernissen die sich relativ weit unterhalb der Wasseroberfläche befinden. Verringert sich der Abstand zwischen Hindernis und Wasseroberfläche kommt es zur Ausbildung von Brechern bzw. Walzern (siehe unten). Fließgeschwindigkeit, Wassermenge, Gefälle, Form des Strömunghindernisses und des gesamten Flußbettes sind es, die Höhe, Form von Wellen zu verantworten haben.
Wellen können auf wasserreichen, wuchtigen Flüssen ohne weiteres mehrere Meter Höhe erreichen.
Befahrung: Für den Wildwasserfahrer ist eine Welle wie ein Berg im Wasser, der erst einmal erklommen werden muß. Die Schwierigkeiten bei der Befahrung von Wellen liegen hauptsächlich darin, daß das Boot durch die Bremswirkung der Welle gedreht wird. Bei frontaler Befahrung bremst die Welle zunächst die Bootsspitze ab, während das Heck von der Strömung weiter geschoben wird, bis schließlich das Boot komplett quer steht. Treibt das Boot dann in dieser Ausrichtung die oftmals sehr steil ansteigende Flanke der Welle hinauf, so besteht die Gefahr, daß das Boot kentert. Um dies zu verhindern verlagert man sein Körpergewicht in Richtung des Wellenberges. Beim Schlauchkanadier sorgt eine Paddelstütze auf der Wellenbergseite für zusätzliche Stabilität. .
Das Querfahren von Wellen ist eine gute Übung für Gleichgewichssinn und Stabilisierungstechniken und macht natürlich dem Könner auch Spaß. Aber die alte Kanutenweisheit „Nimm se quer, dann haste mehr“ sollte gerade für Anfänger nicht unbedingt zu ernst genommen werden. Die technisch saubere Befahrung einer Welle erfolgt immer gerade, d.h. das Boot ist genau in Strömungsrichtung ausgerichtet. Durch zügiges Paddeln und gekonntes Steuern muß dann versucht werden den Wellenberg auch in dieser Ausrichtung zu überwinden.
Nur für wirkliche Könner sind Wellen immer auch eine Gelegenheit zum sogenannten Surfen. Dabei fährt man mit der Bootsspitze flußaufwärts in die Welle ein und versucht zunächst durch kräftiges Vorwärtspaddeln nicht über den Wellenberg gespült zu werden. Stimmen Geschwindigkeit und Timing beim Paddeln, so „steht“ man schon bald auf der ansteigenden Flanke der Welle, man surft. Dabei stellt sich ein Gleichgewichtszustand ein zwischen der Kraftwirkung der Strömung, die versucht das Boot in Strömungsrichtung zu beschleunigen, und der Schwerkraft, die das Boot nach unten in das flußaufwärtige Wellental zieht. Beim Surfen ist es wichtig das Boot gerade zu halten. Stellt sich das Boot quer, so wird man unweigerlich aus der Welle gedrückt. Schnelle Reaktion und gekonnte Stabilisierungstechniken sind hier unerläßlich, um eine Kenterung zu vermeiden.
Neben den rein befahrungstechnischen Schwierigkeiten von Wellen kommt in Flüssen mit hohen Wellen und langen Schwallstrecken noch das Problem der Orientierung hinzu. Sitzt man unten im Wellental, umgeben von Wasserbergen mit mehreren Metern Höhe, so sieht man herzlich wenig vom folgenden Flußverlauf. Deshalb muß immer der Augenblick des Überquerens des Wellenberges genutzt werden, um sich für die weitere Befahrung genügend Orientieren zu verschaffen.
Abfälle, im Sprachgebrauch auch häufig Wasserfälle genannt, sind wohl mit die markantesten und spektakulärsten Erscheinungen die alpine Gebirgsbäche zu bieten haben. Freilich sind monströse und selbst Nicht-Kanuten bekannte Wasserfälle, wie etwa die Niagara- oder die Rhein-Fälle eher selten anzutreffen. Weit häufiger findet man auf mäßig wuchtigen Bächen Abfälle, wo das Wasser über mehrere Meter Höhe in relativ ruhige Tumpen stürzt. Zu Problemen bei der Befahrung kann zum einen zu seichtes Unterwasser führen. Zum anderen geht eine Hauptgefahr von den zum Teil sehr starken Rückläufen bei Abfällen aus.
Der Rücklauf entsteht dadurch, daß das von oben herabstürzende Wasser beim Auftreffen im Tumpen das Wasser „mit nach unten reißt“, und das Wasser an der Oberfläche rings um das so entstehende „Loch“ nachströmt. Man kann sich dieses Phänomen ruhig ein mal zu Hause bei einem gemütlichen Bad in der Badewanne veranschaulichen. Dreht man hier den Wasserhahn auf und läßt den Wasserstrahl direkt auf die Wasseroberfläche laufen, so bildet sich ein Rücklauf, der alles was schwimmt, z.B. Badeenten, zum Wasserstrahl hin anzieht.
Wehre sind im Prinzip nichts anderes als künstliche Abfälle. Sie dienen „naturgemäß“ dazu, das Wasser möglichst stark zu bremsen und verfügen daher im Unterwasser häufig über ganz spezifische Bauformen (z.B. Kastenwehr), die für ausgesprochen starken Rücklauf sorgen. Zudem gibt es im Gegensatz zu natürlichen Rückläufen häufig keine seitlichen Abflüsse und damit keine Möglichkeit als Bootfahrer oder Schwimmer sich seitlich aus dem Rücklauf zu befreien.
Befahrung: Steile Abfälle, bei denen das Wasser über mehrere Meter im freien Fall in die Tiefe rauscht, sind nicht nur spektakulär anzusehen, sondern stellen häufig das absolutes High-light einer Wildwasserfahrt dar. Von einer Befahrung sollte jedoch grundsätzlich Abstand genommen werden, wenn sich Hindernisse (z.B. Felsvorsprünge) in der Sturzzone befinden, das Unterwasser seicht ist oder ein starker Rücklauf vorhanden ist. Selbst wenn bei einem Abfall keiner dieser Punkte zutrifft, der Abfall also prinzipiell als fahrbar gilt, sollte man sich unbedingt vorher über die genaue Anfahrtroute im klaren sein. Denn „springt“ man oben erst einmal an der falschen Stelle über die Abbruchkante, so hat man im freien Fall nach unten kaum noch Möglichkeiten seinen Kurs zu korrigieren und landet unter Umständen im seichten Wasser, im starken Rücklauf etc.
Die richtige Fahrtroute wird in aller Regel durch eine Stromzunge an der Abbruchkante angezeigt. Um dem Rücklauf zu entgehen wenden Kajakfahrer oft bei Abfällen die Technik des „boofens“ an. Beim Boofen wird das Boot vor dem Abfall durch kräftiges Paddeln auf hohe Geschwindigkeit gebracht. Der letzte und geschwindigkeits- und richtungsentscheidende Paddelschlag wird direkt an der Abbruchkante des Abfalles gesetzt und gleichzeitig der Oberkörper nach hinten gelegt und die Hüfte und damit das Boot nach vorne geschoben. Dadurch erreicht man erstens einen sehr weiten Flug in horizontaler Richtung. Zweitens trifft das Boot sehr flach und mit relativ großer horizontaler Geschwindigkeit auf. Dieser „Schwung“, der bei steilem Eintauchen des Bootes verloren ginge, wird genutzt, um den Rücklauf zu überwinden.
Naturgemäß ist diese Technik beim Schlauchkanadier nur schwer, beim Raft so gut wie gar nicht anzuwenden. Ein möglicherweise annähernd adäquater Effekt läßt sich dadurch erzielen, daß die Paddler sich weiter nach hinten ins Boot setzten. Dadurch wird der Schwerpunkte des Bootes so verlagert wird, daß das Boot beim Überfahren der Abbruchkante des Abfalls nicht sofort senkrecht nach unten stürzt, sondern die Flugphase etwas mehr mit horizontaler Ausrichtung des Bootes erfolgt. Nach meiner Einschätzung zählt diese Variante allerdings eher zum Bereich „Experimentaltechniken“. Mann sollte sich darüber im klaren sein, daß die Befahrung von Steilabfällen mit Schlauchkanadier oder Raft in aller Regel in einem Frontalüberschlag enden wird - bei hartem Rücklauf im Unterwasser sollten solche Manöver nur bei perfekter Absicherung und nur mit einer sehr erfahrenen Crew versucht werden. Im Regelfall ist es besser, zu umtragen und kein Risiko für Boot und Mannschaft einzugehen.
Wehre sind mit die problematischsten Stellen für den Wildwassersportler. Wegen ihres starken Rücklaufs sind bereits Wehre von weit weniger als einem Meter Höhe häufig absolut lebensgefährlich (vgl. Kapitel „Objektive Gefahren“ und „Sicherheit“) und sollten in aller Regel umtragen werden. Ansonsten gilt für die Befahrung das selbe wie für Abfälle mit starkem Rücklauf: Schnelle Anfahrt in Richtung abströmendes Wasser und möglichst versuchen zu boofen. Der bzw. die Vorderleute im Boot sollten nach dem Auftreffen durch sehr weit vorne, möglichst im bereits abfließenden Wasser, gesetzte Paddelschläge das Boot aus dem Rücklauf ziehen. Es sie hier nochmals betont, daß sich ein sehr hoher Prozentsatz der tödlichen Wildwasserunfälle an Wehren ereignet und ein Wehr grundsätzlich lieber umtragen als befahren werden sollte. Selbst die ausdrücklich erwähnte Fahrbarkeit von Wehren in Flußführern oder Berichte von Kameraden über bereits erfolgte Befahrungen sollten keinesfalls eine eigene kritische Beurteilung ersetzen.
Walzen, Brecher und auch Wellen sind Strömungsformen die unter Umständen an ein und der selben Stelle eines Flusses auftreten können. Was den Bootfahrer an der jeweiligen Stellen erwartet, hängt häufig lediglich vom Wasserstand ab.
Aber versuchen wir zunächst einmal die Entstehung einer Walze zu ergründen. Als Walze bezeichnet man ein meist senkrecht zur eigentlichen Richtung des Strömungsverlaufes rotierendes „Gebilde“ aus Wasser. Die Walze rotiert immer so, daß das Wasser oben flußaufwärts strömt und dem entsprechend unten flußabwärts. Sie kann ohne weiteres mehrere Meter breit werden. Walzen entstehen grundsätzlich hinter Strömungshindernissen, die sich unterhalb der Wasseroberfläche befinden, etwa große Steine oder Felsriegel. Nach dem das Wasser das Strömungshindernis, genauer gesagt dessen höchsten Punkt überwunden hat, wird es je nach Form des Hindernisses auf mehr oder weniger steil abfallendem Weg von der Schwerkraft nach unten beschleunigt. Diese schnellen Wassermassen treffen dann auf langsameres Wasser und - bildlich gesprochen - drücken dieses nach unten weg, und es bildet sich eine Art Mulde im Wasser. Durch die rundlich geformte Mulde schießt nun das Wasser und wird dadurch auf eine Kreisbahn gezwungen. Gleichzeitig strömt aber auch von der flußabwärtigen Seite Wasser, das die Mulde auffüllen möchte, nach (vgl. Kapitel 6. „Abfälle, Wehre, Rückläufe“) . D.h. es bildet sich ein Rücklauf aus, der wiederum das Wasser, das durch die Mulde nach oben schießt in flußaufwärtige Richtung beschleunigt. Das Wasser fällt dann ein Stück weiter flußaufwärts wieder nach unten und wird vom abfließenden Wasser mitbeschleunigt und mit auf die Kreisbahn gezwungen, und so weiter und so fort. So entsteht ein rotierendes Gebilde aus Wasser, das sich nicht mit der Strömung mitbewegt, die Walze.
Soweit prinzipiell zur Walze, die entsteht wenn - wie bereits gesagt - sich das Strömunghindernis „mäßig“ weit unter der Wasseroberfläche befindet. Eine genaue Quantifizierung des Wortes mäßig macht keinen Sinn, da auch die genaue Form des Strömungshindernisses und die Strömungsgeschwindigkeit wichtige Faktoren sind. Man kann nur die tendenzielle Aussagen treffen, daß bei höherem Wasserstand die Walze zum Brecher wird und bei noch höherem Wasserstand zur Welle. Man sagt auch die Walze läuft zu. Ausgehend von den Erkenntnissen zur Entstehung einer Walze läßt sich dies auch relativ einfach verstehen:
Bei zunehmendem Wasserstand, liegt das Strömungshindernis weiter unter Wasser, und damit nimmt seine Wirkung als Hindernis für die Strömung ab. Das Wasser stürzt nach dem Stein oder Felsriegel nicht mehr nach unten, sondern fließt eher gemächlich darüber hinweg. Das bedeutet, daß die entstehende Mulde weniger tief ist und damit der Rücklauf und die kreisbahnförmige Ablenkung des Wassers weniger stark ausgeprägt sind. Ab einem gewissen Wasserstand verschwindet durch diesen Mechanismus der Rücklauf völlig, und es bleibt nur noch die starke kreisbahnförmige Wasserablenkung in der Mulde. Es entsteht ein Brecher. Ein Brecher ist nichts anderes ist, als eine Welle mit sehr steil ansteigender Flanke, die sich oben am Wellenkamm überschlägt. Bei noch höherem Wasserstand bildet sich dann nur noch eine Welle in Reinform: Die Tiefe der Mulde nimmt weiter ab und das Wasser wird weniger stark auf eine Kreisbahn beschleunigt. Die Wellenflanke steigt weniger steil an und überschlägt sich nicht mehr.
Bei Wellen und Brechern wird durch das Wasser das über das Strömungshindernis fließt keine besonders tiefe Verdrängungswirkung in vertikaler Richtung erzielt, sprich es entsteht nach dem Strömungshindernis keine sehr stark ausgeprägte Mulde. Vielmehr schiebt das Wasser in horizontaler Richtung und läßt so teilweise „Wasserberge“ von immenser Höhe entstehen. Genau das Gegenteil ist der Fall nach Strömungshindernissen, die auf der flußabwärtigen Seite sehr steil abfallen. Nach dem Strömungshindernis wird das Wasser in vertikaler Richtung sehr stark verdrängt und es entsteht eine tiefe Mulde. Es bildet sich eine flache Walze mit starkem Rücklauf, die auch oft als Deckwalze bezeichnet wird. Damit schließt sich der Bogen zu der Beschreibung der Rückläufe nach Abfällen und Wehren (siehe oben), bei denen der Rüchlauf genau auf die selbe weise entsteht und folglich auch hier oft von Deckwalzen gesprochen wird.
Ähnliches gilt für tiefe Löcher wie man sie hinter knapp überspülten großen Steinen findet. Auch hier stürzt das Wasser wie bei einem Abfall steil nach unten und es entsteht eine flache Deckwalze. Der Rücklauf ist dabei besonders stark ausgeprägt, weil der Stein auch seitlich umströmt wird, und so zusätzlich ein Kehrwassereffekt entsteht und hinter dem Hindernis das Wasser flußaufwärts getrieben wird.
Befahrung: Die Schwierigkeit bei der Befahrung von Walzen ergibt sich aus der starken Bremswirkung auf das Boot durch die Walze und deren Rücklauf. Walzen sollten daher mit möglichst hoher Geschwindigkeit „überfahren“ werden, d.h. mit kräftigen Paddelschlägen. Weiterhin ist es ratsam den Schwerpunkt des Bootes möglichst weit Richtung Bootsbug zu verlagern. Bereits das Vorlegen des Oberkörpers wirkt hier oft Wunder und hat den zusätzlichen Vorteil, daß das Paddel weit vorne im bereits wieder abströmenden Wasser eingesetzt werden kann. Bei Rafts bietet sich auch die Möglichkeit durch Versetzen der Paddler nach vorne die Schwerpunklage des Bootes für die Befahrung einer Walze zu optimieren. Eine mögliche Variante der Befahrung extremer Walze mit dem Raft ist das „Hold-on“-Kommando: Alle Paddler setzen sich auf Kommando oder nach Absprache ins Boot, um den Bootsschwerpunkt abzusenken und einen stärkeren Strömungsangriff am dann ausgekielten Bootsboden zu erreichen und so mehr Schub aus der abfließenden Unterströmung zu bekommen. Dieses Kommando erhöht gleichzeitig die Kippstabilität des Bootes, sorgt durch die Kielwirkung für eine bessere Spurstabilität und verringert die Wahrscheinlichkeit, daß Paddler über Bord gehen. Andererseits wird ein sofortiges Paddeln nach Überwindung der Walze und damit die kontrollierte Weiterfahrt erschwert.
Neben der Bremswirkung der Walze besteht bei der Befahrung auch die Gefahr, daß wie bei einer Welle (vgl. oben), das Boot gedreht wird. Diese Auslenkwirkung ist bei Walzen noch wesentlich stärker als bei Wellen, und es muß daher unbedingt darauf geachtet werden, die Walze exakt im 90° Winkel anzufahren und diesen Winkel auch durch entsprechendes Steuern in und nach der Walze zu halten. Denn dadurch bringt man die Bootsspitze bereits ins abfließende Wasser, was, kombiniert mit ein paar kräftigen Paddelschlägen meist genügt, um dem Rücklauf der Walze zu entkommen.
Reicht bei einer kräftigen Walze die Geschwindigkeit nicht aus oder/und ist das Boot nicht senkrecht zur Walze ausgerichtet, so wird das Boot vom Rücklauf der Walze festgehalten und parallel zur Walze gedreht. Bei solch einem Walzenritt drückt die Strömung sehr stark auf die flußaufwärtige Bootsseite. Eine Kenterung (Flip) des Bootes kann nur verhindert werden, indem der Schwerpunkt des Bootes nach flußabwärts verlagert wird. Beim Raft wird dazu der flußaufwärtige Wulst komplett entlastet, indem sich die Paddler von dort auf die andere Seite des Bootes „werfen“ und die flußabwärts sitzenden Paddler sich weit nach außen lehnen (siehe auch Raftingtechnik, Hysiding). Im Schlauchkanadier wird das Boot in flußabwärtiger Drehrichtung gekantet, der Körperschwerpunkt der Paddler wird flußabwärts orientiert und mit einer Paddelstütze wird die Bootsneigung im Unterwasser stabilisiert. Gleichzeitig wird versucht, das Boot durch Ziehschläge im Unterwasser seitlich aus der Walze auszufahren
Alle vorhergehend beschriebenen Strömungsformen treten so gut wie nie isoliert auf. Wildwasserfahrer sind meisten mit einer mehr oder weniger verwirrenden Vielzahl unterschiedlicher Strömungsformen in unmittelbarer Folge konfrontiert, die an längeren Gefällpassagen des Flusses entstehen. Die klassische Stromschnelle (engl.: Rapid), also das längere, mit Wellen und Walzen durchsetzte Gefällstück wird in der Regel als Schwall bezeichnet.
Bei Abfällen handelt es sich um abrupte Abbrüche des Flußbettes mit extrem starkem Gefälle, eigentlich kleinere Wasserfälle. Die Kombination mehrerer, kleiner Abfälle oder ein außergewöhnlich gefällstarker Schwall (die Grenzen sind wildwasserüblich fließend) wird Katarakt genannt.
Auf den etwas häufiger befahrenen Flüssen tragen alle diese Stellen Namen, die, so sagt es die Tradition, von dem Erstbefahrer der Stelle vergeben werden dürfen. Viele markante Stellen im Alpenraum tragen noch überlieferte Namen wie z.B. die Scheibum (hier scheibt das Wasser um) auf der Ammer, die schrägen Rippen (nach der Felsform) auf dem Rißbach oder der Kukurutzenschwall auf der Lieser (am Kukurutzenfeld =Maisfeld), die sich aus typischen Geländemerkmalen ergeben. Je kürzer die Erstbefahrung zurückliegt, desto phantasiereicher und ausgefallener sind die Namen in der Regel. Bezeichnungen wie „Stairway to heaven“ oder „commercial suicide“ (beides Sambezi) können als Beleg dienen.
Prinzipiell dienen diese Namen der vereinfachten Kommunikation - es redet sich einfach flüssiger, ohne dauernd detaillierPlots/Plovse u müssen. Amerikanische Rafting-Companies vereinfachen teilweise so stark, das die Rapids nur noch durchnumeriert werden - kein schöner Ersatz für einen alten Brauch, erleichtert aber die Identifikation von Kernstellen zum Teil erheblich.
Befahrung: Eine der wichtigsten Grundregeln für Wildwasserfahrer ist es, nie in unbekannte Stellen einzufahren. Kernstellen wie Schwälle, Abfälle und Katarakte können sich je nach Wasserstand stark verändern oder durch Baumversperrungen, Murenabgänge, etc. unfahrbar werden und sollten deshalb generell vor der Befahrung besichtigt werden. Bei der Besichtigung wird dann auch die Fahrtroute festgelegt und es werden potentiell auftretende Schwierigkeiten und Gefahren durchgesprochen.
Bei der Befahrung mit mehreren Booten fährt stets in Kernstellen das Boot mit der erfahrensten Crew voraus und weist so den folgenden Paddlern die ideale Linie. Sehr schwierige Stellen sollten möglichst einzeln befahren werden. Dabei sichern die nicht fahrenden Paddler die Stelle entweder vom Ufer aus mit dem Wurfsack ab und/oder warten in ihrem Boot im nächstmöglichen Kehrwasser nach der Kernstelle um gegebenenfalls Bergungsmaßnahmen einzuleiten.
Rafts werden von Kanuten jeder Couleur gerne als Gummibusse bespöttelt. Ein Raft ist groß, relativ träge, transportiert deutlich mehr als 1 oder 2 Paddler, ein Stückchen Wahrheit steckt also durchaus hinter dem flappsigen Spruch. Der Spaß hört auf, wenn die Qualifikation der Guides oder eines aufeinander eingespielten Teams in Frage gestellt wird. Ein vollbesetztes Raft wiegt etwa eine Tonne - ungefähr soviel, wie ein Kleinwagen, und mehr als 2 Meter Paddel oder 3 Meter Floßruder steht nicht zur Verfügung, um diese Masse sicher durch den Bach hinunter zu steuern. Nicht nur, aber ganz besonders dann, wenn ein Mann im Bootsheck die unmittelbare Verantwortung für 6-10 ihm anvertraute Menschenleben zu übernehmen hat, ist ohnehin Schluß mit lustig - unter Umständen kann eine einzige Fehlentscheidung des Guides zu Tragödien führen. Nur eine ausgefeilte, immer weiter entwickelte Steuertechnik und eine durchdachte Fahrtaktik können sicherstellen, daß der Raftguide oder eine private Mannschaft den „Gummibus“ sicher bis zum Ausstieg steuert. Der erforderliche Aufwand ist in der Regel erheblich höher als auf identischer Strecke mit dem Kajak.
Nur wenige Raftingteams sind so gut aufeinander eingespielt, daß sie sich während einer Befahrung nicht lautstark über Fahrtroute oder anzuwendende Technikformen verständigen müßten. Reibungslose Kommunikation ist eine der Grundvoraussetzungen, um in der Gruppe Wildwasser zu fahren. In sehr erfahrenen Mannschaften mit ausgewogenem Erfahrungshintergrund reicht es manchmal vielleicht, sich nur noch kurz, per Kopfzeichen oder durch vernehmbares Grunzen über die ohnehin auf der Hand liegende Fahrtroute zu verständigen. Bei weniger erfahrenen Teams oder auf kommerziellen Touren ist eine klare Kommunikationsstrutur und eine eindeutige Kompetenzverteilung unabdingbar.
Die sauberste, weil eindeutigste Lösung, ist die Definition eines Bootsführers, der über die richtige Route zu entscheiden hat und, bei entsprechender Absprache, das Boot auch zu steueren hat. Im kommerziellen Rahmen ist diese Aufgabenteilung ohnehin klar, im privaten Rahmen sollte der erfahrenste Rafter den Part des Guides übernehmen - unabhänig davon, ob er nun im Bootsheck oder mit auf dem Längswulst sitzt. Basisdemokratische Entscheidungsfindung ist eine schöne Sache - benötigt aber Zeit, die im Wildwasser so gut wie nie zur Verfügung steht. Allem weltanschaulichen Romantizismus zum Trotz: Die optimale Hirarchiestuktur auf Rafts hat mehr mit Caucescu als mit Che Guevara zu tun.
Mit alleiniger Entscheidungskompetenz übernimmt der Raftguide auch weitgehend die alleinige Verantwortung für sein Team - in diesem Kontext sollte der Abschnitt „ Rechtliche Rahmenbedingungen“ nicht überlesen werden.
Nur wer gut sitzt, kommt unten an ! Grundsätzlich gehören beide Beine des Paddlers ins Boot und das Hinterteil auf den Längswulst. Der früher teilweise übliche „Sattelsitz“ ( ritllings auf dem Wulst, beide Beine nach hinten angewinkelt) bzw. der Spreizsitz ( rittlings, der äussere Fuß nach vorne in die Aussenreeling gespreizt) hat sich aus Sicherheitsgründen überlebt - zu exponiert für Steinkontakte waren Knöchel und Knie des äusseren Fusses, als das Verletzungen hätten unterbleiben können.
Im kommerziellen Rafting schieben die Paddler Ihre Füße in die Fußschlaufen auf dem Bootsboden oder unter einen Querwulst. Der Oberkörper sollte sich leicht zur Wasserseite hin orientieren, so daß der Körperschwerpunkt etwas ausserhalb des Bootes liegt - so bleiben die Fußschlaufen unter Spannung, und von der Seite heranrauschende Wellen schieben den Paddler nicht so leicht ins Boot hinein. Mit dieser Haltung wird ein hohes Maß an Sitzstabilität erreicht, allerdings wird gleichzeitig eine Verdrehung der Körperachse erforderlich, um vernünftig Paddeln zu können - der Kraftumsatz ist nicht optimal, und der Muskelkater in der Hüfte bzw. in der Leiste ist fast vorprogrammiert. Dennoch läßt im kommerziellen Bereich der Faktor Sicherheit eine andere Sitzhaltung eigentlich nicht zu.
Im Privatbereich bzw. bei Wettkämpfen kann sich der Paddler mit angewinkelt aufgestelltem vorderen Bein paralell zum Längswulst ins Boot knieen. Hierbei dient ein Querwulst zwischen vorderem und hinterem Bein der Sitzstabilisierung. Diese Sitzhaltung ermöglicht optimalen Kraftumsat, fordert jedoch die Geschicklichkeit des Paddlers in hohem Maß.
Die Trimmung des Bootes, also die richtige Gewichtsverteilung, entscheidet maßgeblich über die Fahreigenschaftendes Bootes. Je weiter hinten der Systemschwerpunkt (und damit der Drehpunkt des Bootes) liegt, desto leichter ist es zu steuern. Wird er nach vorne gerückt, leidet die Manövrierfähigkeit, dafür bietet das Boot mehr Reserve bei der Befahrung großer Walzen. Als sinnwoller Weg hat sich die ganz leicht hecklastige Trimmung des Bootes erwiesen: Bei abstandspezifisch gleichmäßiger Besetzung der Längswülste setzt man demnach die schwereren Paddler weiter nach hinten. Rechter und linker Wuklst sollten , sowohl was das Gewicht als auch was die zu erwartende Paddelleistung betrifft, so gleichmäßig wie möglich besetzt werden.
Die beiden ganz vorne positionierten Paddler haben Schlüsselfunktion für das ganze Boot: Sie legen den für den Rest der Crew verbindlichen Paddelrythmus vor. Dieser Rhythmus sollte gleichmäßig und nicht zu schnell sein - je höher die Schlagfrequenz wird, desto eher fällt die Mannschaft aus dem Takt. Es versteht sich, daß rechte und linke Seite den gleichen Rhythmus halten sollten. Der von allen gehaltene Paddelrythmus ist für die Geschwindigkeit genauso wichtig wie der Krafteinsatz der Paddler !
Der latente Zeitmangel im Wildwasser bedingt die Notwendigkeit einer einfachen und prägnanten Kommunikation. Die Mannschaft muß sofort und eindeutig verstehen, was der Guide meint, Mißverständnisse können fatale Folgen haben. Nachfolgend eine Aufzählung bewährter Kommandos, der dadurch angefoderten Aktionen des Teams und der entsprechenden Reaktion des Bootes. Alle diese Kommandos werden in den Kapiteln Steuertechnik bzw. Sicherheit noch detailliert behandelt. Sie beziehen sich auf ein im kommerziellen Stil gesteuertes Boot - bei Mannschaftssteuerung empfielt es sich, sich an der etwas später folgenden Tabelle „Steueraktionen im 4er/6er Mannschaftraft“ zu orientieren.
ruhiger, langsamer Grundschlag vorwärts >> langsam vorwärts (gut zum Steuern)
Grundschlag vorwärts, 70% Krafteinsatz, kürzere Schlagfrequenz >> beschleunigen vorwärts in der Anfahrt zu Schwällen
Grundschlag vorwärts 100% Krafteinsatz, kurze Frequenz >> Maximalgeschwindigkeit, z.B. in der Einfahrt zu großen Walzen
rechte Mannschaft pausiert, linke Mannschaft Grundschlag rückwärts. >> leichte, kontrollierbare Linkskurve
linke Mannschaft pausiert, rechte Mannschaft Grundschlag rückwärts.>> leichte, kontrollierbare Rechtskurve
linke Mannschaft Bogenschlag rückwärts, rechte Mannschaft Bogenschlag . >> harte Linkskurve, Boot dreht auf dem Teller
rechte Mannschaft Bogenschlag rückwärts, linke Mannschaft Bogenschlag. >> harte Rechtskurve, Boot dreht auf dem Teller
Krafteinsatz, Grundschlag rückwärts. >> abbremsen, Rückwärtsfahrt
linke Mannschaft Ziehschläge (wriggen), rechte Mannschaft pausiert. >> Linksversatz des Bootes parallel zur Fahrtrichtung
rechte Mannschaft Ziehschläge (wriggen), linke Mannschaft pausiert. >> Rechtsversatz des Bootes parallel zur Fahrtrichtung
Alle Paddler springen auf den angesagten Wulst. Wichtig: auf Eigensicherung achten. >> Boot links/rechts entlasten (in Walzen, vor Steinen)
Alle Paddler setzen sich ins Boot, halten sich an Innen- oder Aussenreeling fest. >> Stabilisierung des Bootes
Der vorderste, auf Uferseite sitzende Paddler steigt oder springt ans Ufer und sichert das Boot an der Aussenreeling >> Beim Anlanden
Vor Antritt der Fahrt sollte sinnvollerweise geklärt werden, welche Kommandos zum Einsatz kommen sollen - je nach Geschmack, Flußcharakter und Qualifikation des Teams können einzelne Kommandos überflüssig oder sogar hinderlich sein. Je mehr Kommandos vereinbart werden, desto eher kann es natürlich auch zu Mißverständnissen kommen.
Ausserdem ist zu klären, ob die Paddler in Einzelsituationen selbständig mit Steuerschlägen in das Geschehen eingreifen sollen bzw. dürfen und ob die aus dem Kommando resultierende Aktion nur einmal, oder unausgesetzt bis zum nächsten Kommando ausgeführt werden soll.
Bedenke, daß der Fluß teilweise sehr laut ist und Wildwasserhelm dem Hörvermögen nicht eben zuträglich sind. Kommandos, die keiner hört, sind genausogut wie gar keine - es rentiert sich also, die Kommandos LAUT zu geben. Hast Du viele Leute auf einem schweren Bach, müssen die Kommandos regelrecht gebrüllt werden, damit Deine Schlagmänner Dich noch verstehen.
Wie wird das Boot am einfachsten und schnellsten in die vorgesehene Richtung manövriert ? Wer macht wann was und warum ? Die richtige Steuertechnik entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Mißerfolg einer Raftingtour, dementsprechend ist vorbereitendes Training der ganzen Mannschaft auf ruhigem Wasser, bevor (!) es das erste Mal auf den Fluß geht zu empfehlen.
Generell ist zwischen dem durch das gesamte Team und dem überwiegend durch den Guide gesteuerten Raft zu differenzieren. Private Gruppen bis 6 Personen können das Boot gemeinsam steuern, der vorher festgelegte Guide entscheidet über die Fahrtroute und gibt u.U. Kommandos, um das Team zu koordinieren. Natürlich können auch diese Gruppen auf den kommerziellen Stil umschwenken: hierbei steuert fast ausschließlich der Guide, lediglich bei zu kraftaufwendigen Manövern wird das Team über Kommandos mit in die Steueraktion eingebunden. Dies ist auch der Stil, der wegen der problematischen Koordination auf mit mehr als 6 Personen besetzten Booten und, systembedingt, auf floßrudergeseuerten Rafts gepflegt werden sollte.
Nachfolgende Tabelle bezieht sich auf ein mit 6 Personen besetztes, von der ganzen Mannschaft gesteuertes Raft. Bei einem 4er Raft sind dementsprechend nur die vorderen und hinteren Positionen relevant. Aus Gründen besserer Verständigungs- und Eingriffsmöglichkeit sollte der Guide hinten im Boot sitzen. Die Kommandos sind natürlich nur als Vorschlag zu verstehen, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Kommando Guide Manöver Boot Aktion rechts vorne Aktion rechts Mitte Aktion rechts hinten Aktion links vorne Aktion links Mitte Aktion links hinten hart links harte Linkskurve Bogenschlag vorwärts Bogenschlag vorwärts Ziehschlag Ziehschlag Bogenschlag rückwärts Konterschlag hart rechts harte Rechtskurve Ziehschlag Bogenschlag rückwärts Konterschlag Bogenschlag vorwärts Bogenschlag vorwärts Ziehschlag leicht links leichte Linkskurve Grundschlag vorwärts Grundschlag vorwärts Ziehschlag Grundschlag vorwärts Grundschlag vorwärts Konterschlag leicht rechts leichte Rechtskurve Grundschlag vorwärts Grundschlag vorwärts Konterschlag Grundschlag vorwärts Grundschlag vorwärts Ziehschlag
Wo der Guide nun wirklich am besten sitzt, ist eine schon fast zur Glaubensfrage hochstilisierte Diskussion. Auf dem Kick (also am höchsten Punkt des Bootshecks) oder knapp davor, auf dem letzten Stück des Längswulstes - das ist die Frage. Beide Positionen haben Ihre unzweifelhaften Vorteile. Auf dem Kick ist die Übersicht besser (man sitzt ein Stückchen höher) und die Hebelverhältnisse beim Steuern sind etwas günstiger, an der Seite sitzt man stabiler - das Heck neigt gerade in größeren Walzen zum katapultartigen Ausschlagen - und kann selbst durch Vorwärtsschläge noch etwas Geschwindigkeit gutmachen.
Dem Guide, der die erhöhte Sitzposition auf dem Kick bevorzugt, sei angeraten, das Ausschlagen des Bootshecks in seine Planung miteinzubeziehen - bei der Einfahrt in hohe Brecher oder Walzen ist es empfehlenswert, sich unmittelbar vor dem Kraftangriff des Wassers am Boot mit einer Hand an der Aussenreeling festzuhalten. Denn nichts ist peinlicher, als an allen Teilnehmern durch die Luft vorbeizurauschen und anschließend mit der Nase voraus im Boot einzuschlagen...
Hochgradig wichtig ist vernünftiger Halt an den Füßen - dementsprechend gut sollten die Fußschlaufen des Guides positioniert (und verarbeitet!) sein. Im Zweifellsfall sollte man sich nicht scheuen, selbst Hand anzulegen und einfach ein paar Schlaufen in der individuell passenden Positionierung einzukleben. Die Kraftübertragung von dem Steuerblatt auf das Boot läuft direkt über den Körper des Guides und die Fußschlaufen - man sollte hier diese relativ kleine Mühe des Einklebens nicht scheuen. Teilweise werden die Guideschlaufen extrem aussen, zwischen Längswulst und Boden montiert - was den den Vorteil hat, daß die Kraftübertragung sehr direkt über den Unterschenkel an den Aussenwulst läuft und den Nachteil, daß man sich unheimlich leicht drin verhängen kann...
Im wesentlichen unterscheidet sich das Steuerpaddel (175-185cm) in seiner Länge von den üblichen Stechpaddeln (150-165cm), die von der Mannschaft genutzt werden. Hinsichtlich Blattform und -größe sowie Material gibt es die unterschiedlichsten Vorlieben, man sollte sich nicht scheuen, wenn möglich verschiedene Steuerpaddel zu testen, bevor man sich zum Kauf entscheidet.
Der Schaft wird paralell zur Bootslängsachse im Hüftbereich aufgelegt. Das Blatt steht senkrecht zur Wasseroberfläche. Umgreifen, d.h. während der Tour die Seite, auf der das Paddel geführt wird zu wechseln (eine beliebte Autodidakten-Marotte) ist aus Gründen des Handlings wenig ratsam - man steuert entweder rechts oder links.
Vollbesetzte Rafts sind extrem träge Boote, d.h. daß ein hoher Kraftaufwand erfoderlich ist, um eine Kurve einzuleiten, aber auch, daß ein aus der Spur laufendes oder übersteuertes Boot nur schwer wieder auf Kurs zu bringen ist. Darüber hinaus sind die meisten Boote nur in einem bestimmten, relativ kleinen Winkel zur Hauptströmung leicht zu steuern. Wird dieser Winkel überschritten, sind strömungsbedingte Drehungen des Bootes u.U. nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen. Eminent wichtig ist demnach, jede noch so minimale Drehbewegung des Bootes sofort wahrzunehmen, um im Zweifellsfall sofort korrigierend eingreifen zu können. Es hat sich bewährt, auch während der Geradeausfahrt das Steuerblatt permanent im Kielwasser des Bootes zu führen, über das Blatt hat man am ehesten die Möglichkeit, leichte Drehansätze des Bootes wahrzunehmen - das Blatt dient so als Sensor für Strömungseinflüsse. So bietet sich auch die Möglichkeit, das Boot durch permanente, minimale Korrekturen exakt auf der vorgesehenen Linie zu halten.
Im Prinzip wird beim Konterschlag das Paddelblatt vom Körper weg in die Richtung gedrückt, in die sich das Boot drehen soll. Wie auch später beim Ziehschlag sind die Hebelverhältnisse (also die möglichst große Entfernung des Kraftansatzpunktes vom Drehpunkt des Bootes), die optimale Abtsimmung auf die eigene Ergonomie ( bei welcher Entfernung vom Boot kriegst Du noch richtig Muskelkraft aufs Blatt ?) und der Einsatz des eigenen Körpergewichtes ausschlaggebend für die Effizienz des Schlages. Die folgende Bewegungsbeschreibung basiert auf Sitzposition auf dem Kick, einem rechts geführten Paddel und dementsprechend einer geplanten Rechtskurve.
Aus der Grundhaltung schwenkt der Oberkörper mit leicht rückwärtiger Oberkörperrotation nach links aus. Anscließend wird das Blatt relativ weit links hinter dem Körper eingesetzt, wobei darauf zu achten ist (passiert gerade am Anfang häufig), daß das Blatt nicht schräg oder waagrecht zur Wasseroberfläche eingetaucht wird. Anschließend drückst Du mit Deinem Körper den Schaft mit maximalem Druck nach rechts, gleichzeitig hebelst Du durch eine Oberkörperrotation nach links und entsprechenden Armeinsatz das Blatt nach rechts aussen. Spontaner, kurzer und intensiver Krafteinsatz mit relativ hoher Wiederholungsfrequenz ist meist effektiver, als langatmige, weit ausgeführte Druckschläge. Achte darauf, daß das Blatt nicht direkt hinter dem Boot, sondern mit Distanz zum Heck eingesetzt wird, eine leichte Auslage des Oberkörpers nach hinten ist dabei hilfreich.
Bei gleicher Ausgangslage was Sitzposition und Paddelführung angeht, kann mit dem Ziehschlag eine Linkskurve eingeleitet werden. In der Idealform wird beim Ziehschlag das möglichst senkrecht stehende, paralell zur Bootslängsachse ausgerichtete Paddelblatt von einer möglichst weit von der Längsachse entfernten Ausgangsposition aus paralell zur Bootsquerachse in Richtung Längsachse gezogen - alles klar ? Im Klartext bedeutet das: Du lagerst Deinen Oberkörper nach rechts hinten aus, beim Einstechen sind beide Arme gestreckt, der Schaft steht senkrecht zur Wasseroberfläche und das Blatt paralell zum Boot. Versuche, soweit wie möglich entfernt vom Boot einzustechen, ohne den Halt in den Fußschlaufe zu verlieren. Dann ziehst Du das Blatt zu Dir, wobei sich die Arme anwinkeln und der Oberkörper zurück in die Ausgangsposition schwingt. Auch hier sind kurze, harte Schläge meist die wirkungsvollste Alternative.
Beim Eintauchen des Blattes wirst Du am Schaft spüren, daß es in unterschiedlichen Tiefen unter der Wasseroberfläche und an unterschiedlichen Stellen im Kielwasser auch unterschiedlich stark ausgeprägte Strömungsbereiche gibt - hier kriegst Du Druck aufs Blatt, dort viel weniger. Versuche, diese Situation für Dich zu nützen, also den geeignetsten Strömungsbereich für das geplante Manöver zu nutzen. Versuche gerade am Anfang, Dich permanent (also auch bei bummeliger Geradeausfahrt ) über die Strömungsverhältnisse hinter dem Boot auf dem laufenden zu halten.
Das Boot bricht aus, und Du kriegt es nicht mehr schnell genug auf die Linie - jetzt ein Kommando zu geben ist eine gute Idee. Bedenke bei den rechts/links Kommandos, daß die Steuerleistung der Mannschaft (meistens) ziemlich hoch ist, und daß Du eventuell mit einem Kommando das Boot nicht nur geradestellst, sondern daß es u.U. gleich wieder auf die andere Seite ausbricht. Junge Guides, die wild schreiend im Zickzackkurs über WWII Bäche rauschen und am Ausstieg mit einer Gruppe völlig entkräfteter Teilnehmer ankommen, gehören zur Folklore des traditionellen Saisonbeginns in den meisten Raftingrevieren. Siehe zu, daß Du es besser hinkriegst -Steuerkommandos sollten also ebenso dosiert wie selten gegeben werden.
Die Bootsgeschwindigkeit ist ein wichtiger Faktor für die Manövrierfähigkeit Deines Bootes - schnelle Boote sind schwer, langsame Boote leicht zu steuern. Darüber hinaus ist immer dann, wenn starke Vorwärtsimpulse auf das Boot einwirken (also wenn die Mannschaft durchzieht) Dein Raft besonders Richtungsstabil.
Versuche, erforderliche Steuermanöver bei Langsamfahrt oder, wenn dies nicht möglich ist, in der Aushubphase Deiner Paddler zu unternehmen.
Auch Wellentäler sind eher hinderlich, wenn es ums steuern geht - setze Deinen Steuerschlag auf dem Kamm der Welle, kurz davor oder danach - dann geht es fast immer erheblich leichter.
Einer der wesentlichsten Punkte deiner Befahrungstaktik ist die erfoderliche Bootsgeschwindigkeit, die sich zwangsläufig an zwei ganz unterschiedlichen Erfordernissen orientieren muß: Zum einen benötigst Du zur Befahrung von Walzen und Rückläufen unbedingt und mit hoher Vordringlichkeit ein schnelles Boot, zum anderen verkürzt die hohe Geschwindigkeit deine Reaktionszeit erheblich, erschwert das Steuern des Bootes und erschöpft die Ressourcen der Mannschaft . Der Grundsatz lautet demnach: So langsam wie möglich - so schnell wie nötig. Dabei muß graduell zwischen paddelgesteuerten und floßrudergesteuerten Booten differenziert werden, der Grundsatz hat dennoch für beide Boote Gültigkeit.
Schlauchboote erreichen Ihre Maximalgeschwindigkeit aus dem Stand in etwa 3-4 Paddelschlägen - es ist also angemessen, sich langsam in richtige Einfahrtspositionen zu manövrieren und erst dann das Boot hart zu beschleunigen, wenn es wirklich nötig wird. Wer bereits 300m vor der zentralen Walze das Boot auf Höchstfahrt bringt, muß damit rechnen, daß die Mannschaft 3 Meter davor kollabiert und mit den Folgen leben können.
Seilfähren (oder Traversieren) bedeutet, das Boot vorwärts oder rückwärts im spitzen Winkel gegen die Strömung zu bewegen, um so einen seitlichen Versatz des Bootes mit möglichst geringer Bewegung des Bootes in Strömungsrichtung zu erreichen. Sie kann genutzt werden, um beispielsweise überraschend auftauchenden Hindernissen noch rechtzeitig auszuweichen, wenn ein frontales ausweichen durch eine gesteuerte S-Kurve nicht mehr realisierbar oder zu gefährlich ist (Bei jeder Drehung kurz vor einem Hindernis wird die Bootsflanke zum Hindernis gedreht, so daß zu befürchten ist, daß das Boot am Stein hängenbleibt). Mit der Seilfähre können aber auch Kehrwasser befahren werden, Schwimmer geborgen und Flüsse überquert werden. Die Seilfähre taugt zu mehr, als nur die Bewegungsrichtung eines Bootes zu beeinflussen - und ist somit eines der wichtigsten taktischen Hilfsmittel im Wildwasser.
Entscheidend ist der Winkel: Beim Anstellen des Bootes bei gleichzeitigem Paddeln gegen die Strömung gibt es nur einen Anstellwinkel, der zu Bootsgeschwindigkeit und Bootsform paßt und durch Guide oder Mannschaft steuertechnisch auch gehalten werden kann. Ist der Winkel zu spitz, dreht der Wasserdruck das Boot paralell zur Strömungsrichtung, ist er zu stumpf, wird das Boot quer zur Strömung gedreht. Noch problematischer wird die Wahl des Anstellwinkels dann, wenn das Boot während der Seilfähre über stark unterschiedlich schnelle Strömungen oder Strömungen unterschiedlicher Richtung (z.B. Kehrwassergrenzen) bewegt. In diesem Fall wird eine permanentes Nachkorrigieren des Anstellwinkels erfoderlich.
Den richtigen Winkel zu wählen ist, schlicht gesagt, Gefühlssache und bedarf der häufigen Übung.Eine rentierliche Anstrengung: Fast alle problematischen Situationen mit dem Raft im verblockten Wildwasser lassen sich durch geglückte Seilfährerei entschärfen.
Oft genug können sich auf dem Raft gefahrenträchtige Situationen ergeben, die eine Verlagerung des Systemschwerpunkte des Schlauchbootes erfordern. Typisch hierfür ist das Auffahren auf Steine bzw. das Festgehaltenwerden von Walzen und der anschließende Walzenritt.(vgl.auch Sicherheit, typische Unfallsituationen, Krawatte bzw. Strömungsformen, Walzen und Rückläufe).
Hysiding (in der Walze) und Rocksiding (am Hindernis) bedeutet, den der Strömung zugewandten Wulst des Bootes zu entlasten. So wird verhindert, daß dieser Wulst von der Strömung nach unten gedrückt wird und das Boot kentert. Die komplette Mannschafft setzt, legt oder wirft sich bei diesem Manöver je nach Situation auf den Strömungsabgewandten Längswulst des Bootes, wobei jeder gefordert ist, für eine entsprechende Eigensicherung zu sorgen - also Füße in die noch verfügbaren Schlaufen, Hände an Aussen- oder Innenreeling oder wo auch immer sich in dieser Situation Festhaltemöglichkeiten anbieten. Rafter, die beim Walzenritt oder bei Bootsklemmern am Stein das Raft verlassen, treiben rasch ab und haben in der Regel kaum Chancen, das Boot schwimmend wieder zu erreichen.
Hysiding und Rocksidingmanöver werden in aller Regel vom Guide mit Kommandos wie „alle nach links/rechts“ o.ä. angefordert, von enscheidender Wichtigkeit ist auch hier die Geschwindigkeit, in der das Kommando umgesetzt wird.
Auf Dein Boot wirken permanent mehr oder weniger starke Drehimpulse der Strömung ein. Versuche, diese Drehimpulse zu nützen und vermeide es nach Möglichkeit, Ihnen entgegenzuarbeiten. Manchmal kann es bei gleichem Ergebnis erheblich einfacher sein, eine 315° linkskurve wie eine 45° Rechtskurve zu steuern - behalte das im Auge.
Jede kleine Welle und Walze, jedes Kehrwasser kann Dich beim Steuern unterstützen oder Dir hinderlich sein. Das Strömungsunterstützte Steuern gehört schon zur etwas höheren Schule des Rafting - versuche gezielt, Dich langsam damit vertraut zu machen. Eine klassische Übung ist, das Kehrwasser hinter einem Stein in der Flußmitte zu nutzen, um das Boot zu drehen ( in stumpfem Winkel die Bootsnase hinter dem Stein ins KW bringen) oder um es zu versetzen ( in spitzem Winkel einfahren und gleichzeitg mit dem Steuerblatt gegensteuern). Auf schwer verblockten Flüssen geht ohne die Beherrschung solcher Manöver dann nichts mehr.
Manchmal hilft alles nichts mehr: Weder durch maximalen Krafteinsatz am Steuerblatt noch durch Manövrierkommandos oder Strömungsunterstützung läßt sich das Boot noch in der erforderlichen Geschwindigkeit drehen, um die angepeilte Anfahrt zu erwischen oder eine Panikseilfähre flußaufwärts einzuleiten. Liegt links vor Dir ein knapp überspülter Stein ? Setz die Bootsspitze drauf, und die Strömung wird Dir das Heck herumreißen. Steht ein richtig großer Fels aus dem Wasser ? Laß den vordersten Teil der Bootsflanke leicht an seiner angespülten Seite antupfen, und es passiert das gleiche. Aber Vorsicht: Steine oder Felsen zur Steuerunterstützung zu nutzen, ist eine der denkbar gefährlichsten Taktiken - ein kleiner Fehler in Deinem Plan, und das Boot hängt quer vor dem Stein und faltet sich in sekundenschnelle zur Krawatte, legt sich also formtreu um das Hindernis. Unter Umständen eine tödliche Gefahr für die ganze Mannschaft.
Kalkuliere bei diesen Manövern immer den Billardeffekt mit ein: Fährst Du schnell an ein Hinderniss, geht es auch schnell wieder in gleicher Richtung zurück - den gewünschten Dreheffekt erreichst Du nur bei relativ niedriger Anfahrtsgeschwindigkeit.
Steuertechnik und taktische Manöver, Strömungsformen, Ausrüstung - wenn dann alles gelesen ist, die Trainingseinheiten auf dem ruhigen Hausbach absolviert sind und Du im Hochgefühl theoretischer Perfektion auf den wilden Bach gehst kommt spätestens kurz nach der Einfahrt in den ersten Schwall die Ernüchterung: Alles Schall und Rauch ! Vor Dir steigen Wellen auf, die Dir Sicht nehmen, und während Du versuchst, Dein Boot auszurichten und einen Stützschlag auf der (hoffentlich) richtigen Seite zu plazieren, erkennst Du vom nächsten Wellenkamm aus hinter einem Chaos aus Wasser und Stein einen glatt abgeschnittenen Horizont kurz vor der nächsten Kurve. Ach du Sch.....! Wohin jetzt ? Und schon wieder ein Brecher direkt vor Dir - Boot geradestellen, ein Ziehschlag, wieder nach vorne schauen, immer noch keine Ahnung wohin - eine miese Monsterwalze direkt vor Dir übersehen, es wird dunkel und naß, plötzlich schwimmst Du, Mannschaft, Boot und Paddel sind nicht mehr in Reichweite -“vielleicht schlau, jetzt Gas zu geben..“ - letzter Gedanke vor dem Einschwimmen in die Walze, die sich plötzlich vor Dir auftut...
Wenn Du nach echt aufregenden 3 Minuten schwimmend das Ende des Schwalls und dort das rettende Ufer erreicht hast, Boot und Paddel irgendwo am Horizont verschwinden siehst und sich dier ersten Kollegen aus der Mannschaft wieder bei Dir sammeln, ist es nur noch ein kleiner Schritt, Dir ernsthafte Gedanken über Freizeitbeschäftigungen wie Bonsaizucht oder Modellbau zu machen. Viele hoffnungsvolle Raftingkarrieren sind an diesem Punkt unvermittelt zu Ende gegangen, bevor sie richtig beginnen konnten. Warum eigentlich ?
Einfache Antwort: Ohne einen ausgeklügelten Plan, eine ausgereifte Taktik, geht im Wildwasser eben gar nichts.
Dein Plan soll vorhandene Strömungsformen, Deine persönlichen Fähigkeiten und die Ressourcen von Boot und evt. Mannschaft gedanklich bündeln und eine ideale, für Dich realisierbare Befahrungsroute ergeben.
Mit minimalem Krafteinsatz (schafft maximale Reserve) und höchstmöglicher Sicherheit einen Flußabschnitt zu bewältigen ist das primäre Ziel aller Anstrenungen. Fahrspaß und Action auf dem Boot sind natürlich ebenfalls wichtig - aber eben erst in zweiter Linie.
Die Minimierung des erfoderlichen Krafteinsatzes wird durch die bestmögliche Ausnutzung vorhandener Strömungsformen und Geländemerkmale ermöglicht - fast alle Strömungsformen können genutzt werden, um das Boot abzubremsen oder zu drehen. (vgl. „Strömungsunterstütztes Steuern“, SX) Maximale Sicherheit bedeutet, alle vorhandenen objektiven Risikofaktoren des Flußabschnittes als solche zu erkennen und Ihnen nach Möglichkeit weiträumig aus dem Weg zu gehen bzw. sie in jedem Fall bei der Routenplanung angemessen zu berücksichtigen.
Oft wird die richtige Linie klar erkennbar durch die Hauptströmung definiert - in jedem Fall ist Sie der erste Ansatzpunkt Deiner Routenplanung. Hindernisse ,nicht überwindbare Strömungsformationen oder objektive Riskofaktoren können Dich dazu veranlassen, die Hauptströmung zu verlassen und eine Nebenroute zu suchen. Versuche, alle erkennbaren Faktoren zu analysieren und in die Entwicklung deiner Routenplanung einfließen zu lassen.
Normale Tagesetappen im Wildwasser variieren zwischen 5 und 20 km - klar, daß Du das nicht alles vorher ablaufen und Dir merken kannst - wie also kommst Du zu Deiner Route, wie entsteht sie in Deinem Kopf ?
Während Du auf dem Fluß unterwegs bist, bist du mit einer in permanenter Veränderung begriffenen Situation konfrontiert. Ständig tauchen neue Faktoren auf, die Dein weiteres Vorgehen beinflussen. Du übersiehst den Fluß bis zum Punkt x - bist Du Dir sicher, daß Du Punkt x ohne Schwierigkeiten erreichen kannst und existiert vor Punkt x noch ein Kehrwasser, das Du zuverlässig erreichen kannst ? Möglicherweise geht an Punkt x nichts mehr, will heißen, vielleicht siehst Du exakt an Punkt x um die Ecke und erkennst 5 m vor Dir einen Baumverhau, der den kompletten Bach versperrt - eine Horrorvorstellung ! In der Praxis muß Dein Blick also den gesamten Flußverlauf, alle relevanten (d.h. für Dich erreichbaren ) Kehrwasser, alle erkennbaren Strömungsformen und Geländemerkmale sowie die nächsten 20m vor Deinem Boot im Detail erfassen. Kalkuliere immer mit ein, daß das Ende des Blickfeldes mit dem Ende des befahrbaren Abschnittes identisch sein könnte und richte ein Hauptaugenmerk auf das letzte erreichbare Kehrwasser in Deinem aktuellen Blickfeld.
Das ist aber noch nicht alles. Ein wirklich guter Planer denkt immer noch einen Schritt weiter: Was tun, wenn das eine oder andere Manöver nicht klappt und Du auf eine andere Route ausweichen musst ? Wo sind die kritischen Punkte auf Deiner imaginären Linie ? Womit musst, womit solltest Du rechnen ? Versuche, Dir darüber klar zu werden, wo es möglicherweise eng wird, und wo Du u.U. die vorhergesehene Linie verlassen mußt - baue von diesem Punkt ausgehend einen Alternativplan auf, damit du dort nicht ins trudeln kommst.
Die Perspektive vom Ufer aus ist eine völlig andere als die vom Boot, die Fernperspektive eine andere als die Nahperspektive. Der beste Plan ist nichts wert, wenn Du unterwegs nicht mehr weißt, wo Du Dich gerade befindest. Du brauchst also markante Orientierungspunkte, die Dir helfen, Deinen Plan umzusetzen. Das können markante Steine (Vorsicht: auf dem Wasser sehen sie dann alle gleich aus), Bäume am Ufer, große markante Kehrwasser oder alte Kühlschränke am Ufer sein. Wichtig ist, daß Du sie zuverlässig wiedererkennst. Dein Gedächtnis ist nicht grenzenlos belastbar - kalkuliere also immer nur, was Du Dir 100%ig merken kannst, und plane dann ein Kehrwasser ein.
Das allerwichtigste: plane stets mit Reserve - Ein Plan, der Dich in allen Phasen grenzwertig belastet (sei es technisch oder einfach konditionell) läßt Dir kaum noch Reaktionsmöglichkeit, wenn irgendwas nicht so funktioniert, wie Du es Dir vorgestellt hast.
Nimm Dir Zeit für die Planung - im Extrembereich wird für die Routenplanung fast immer mehr Zeit investiert, als für die eigentliche Befahrung. Ein Zeiteinsatz der sich lohnt. Bedenke, wie zeitaufwendig Bergemaßnahmen oder der Ausstieg aus einer Schlucht nach Materialverlust ist...
Auf der Donau ist das alles zugegebenermaßen relativ einfach, auf einem wuchtigen, mit Steinen durchsetzten Bach durchaus ein Problem. Wenn Du nicht mehr in der Lage bist, alle diese Faktoren zu erfassen oder den Eindruck gewinnst, bis Du die Lage erfaßt hast, hat Sie sich schon wieder völlig geändert, gibts nur eins: raus ans Ufer, und erstmal in Ruhe anschauen, was da auf Dich zukommt. Am Ufer gilt es jetzt, einen für Dich machbaren Plan zu entwickeln. Suche Dir Orientierungspunkte und plane so detailliert wie möglich - im Extremfall kann es sinnvoll sein, sich schon jetzt zu überlegen, wo und wann exakt welche Steuerschläge plaziert werden müssen, um die Route später auch halten zu können. Vorsicht gilt es bei der Begutachtung von Sektionen aus weiter Entfernung walten zu lassen. Ein Klassiker ist die Besichtigung der Strecke vor der Tour von der Straße aus oder während der Tour von einem hoch über einer Schlucht verlaufenden Steig: Du kannst Dich dabei eigentlich nur verschätzen und gehörst ruck-zuck zur großen Gemeinde von Wildwasserfahrern, die sich nach der Besichtigung einer vermeintlichen IIIer-Stelle plötzlich in der Einfahrt zu einem infernalischen Ver wiederfinden.
Wenn Du den Eindruck hast, die nächste Passage ist defintiv zu problematisch, können Boote auch getragen werden. Umtragen ist weder eine Schande noch zu anstrengend - wenn Du wirklich Bedenken hast, überlege Dir, wieviel Kraftaufwand erfoderlich wird, wenn Du die Passage schwimmend zu bewältigen hättest und um wieviel gemütlicher ein Spaziergang mit dem Boot am Ufer ist. Lasse Dich bei der Entscheidung pro/contra Umtragen unter keinen Umständen unter Druck setzen - weder von eventuellem Zeitdruck, noch von breit grinsenden Paddlerkollegen.
Ziehe immer eine mögliche Absicherung der Stelle ins Kalkül - wenn es (für Deine Verhältnisse ) so schwer ist, daß auch eine Kenterung möglich erscheint, überlege, ob sich nicht deine Partner mit den Wurfsäcken positionieren könnten.
Welches Kehrwasser kann ich vor diesem Punkt noch erreichen?
Welche Linie bringt mich zu diesem Kehrwasser und bin ich und meine Mannschaft in der Lage, Sie zu bewältigen?
Welche Strömungsformen kann ich erkennen?
in welche Richtung zieht die Hauptströmung?
Welche Kehrwasser könnte ich unterwegs problemlos ansteuern?
Wo könnten sich Probleme ergeben ?
Sind ich / die Mannschaft der Sache technisch und konditionell gewachsen?
Welche Technikform ist anzuwenden, wie muß ich mein Boot ausrichten, welche Geschwindigkeit ist erfoderlich, wohin orientiere ich den Körperschwerpunkt?
Wo ist das nächste erreichbare Kehrwasser?
Was passiert auf meinem Boot bzw. mit meiner Mannschaft?
Fühle ich mich als Herr der Lage?
Fühle ich mich als Herr der Lage?
Traue ich mir den kommenden Abschnitt zu?
Wäre Tragen vielleicht nicht doch besser?
Wie weit plane ich voraus, wie weit reicht mein Gedächtnis?
An welchen Punkten kann ich mich sicher orientieren?
Wo ist auf meiner Route mit Problemen zu rechnen?
Welche Ausweichmöglichkeiten habe ich, wenn mein Plan nicht aufgeht?
Welche Kehrwasser sind von meiner Route/Alternativroute aus erreichbar?
Ist es sinnvoll, die Strecke abzusichern? Wenn ja, wo?
Für den kommerziellen Raftguide, der immer wieder die gleiche Strecke befährt, stellt sich die Situation naturgemäß anders dar - er ist mit dem Fluß vertraut und kennt (zumindest im Idealfall) so gut wie jeden Stein auf seiner Route. Trotzdem ist es gerade am Anfang einer Raftguidekarriere sinnvoll, sich leicht einprägsame Orientierungspunkte einzuprägen. So wird es leichter, sich zu orientieren und einen Zusammenhang zu den (hoffentlich) bestehenden Evakuierungsplänen herzustellen. Trotzdem braucht erst recht der Guide, der ja eine deutlich höhere Verantwortung zu tragen hat als der private Paddler eine ganz konkrete Planung, die eine kontinuierliche Berücksichtigung folgender Faktoren voraussetzt:
Welchen Eindruck macht meine Mannschaft?
Gibts bei Einzelpersonen Anzeichen von Erschöpfung oder extremer nervlicher Probleme?
Welche Kraftressourcen sind noch verfügbar?
Welche Linie ist der Mannschaft zuzumuten?
Welche Linie ist beim aktuellen Wasserstand die richtige?
Wo ist das nächste erreichbare Kehrwasser?
Ist mit dem Boot immer noch alles in Ordnung?
Wie geht es mir selbst, ist alles in Ordnung?
Was macht das Boot vor / hinter mir?
Werden Handzeichen von anderen Guides gegeben?
Stimmen die Abstände zwischen den Booten, stimmt die vereinbarte Reihenfolge der Boote noch?
können sich seit meiner letzten Tour Veränderungen im Flußverlauf ergeben haben?
Hat es stark geregnet, muß also mit Baumhindernissen gerechnet werden?
Kann es an Flußbaustellen zu Veränderungen gekommen sein?
Wenn ja, welchen Alternativplan habe ich?
Welcher zeitlichen Planung unterliegt mein Trip - und wie weit weicht meine Situation davon ab?
Aus den Ergebnissen dieses permanent im Kopf des Guides mitlaufenden Frage-und-Antwort-Spieles ergeben sich die nächsten Aktionen auf dem übergeordneten, vom reinen Steuern des Bootes abgesetzten, Aktionsniveau. Bei Befahrungen unbekannter oder wenig vertrauter Gewässer oder am Anfang, wenn man sich auch steuertechnisch noch nicht 100%ig sicher ist, wird der Befahrungsplan wie oben „vom Boot aus“ entwickelt.
Der Tod ist ein nasser Geselle - und wohnt immer dort, wo man ihn am wenigsten erwartet. Die meisten Ertrinkungsunfälle ereignen sich im stehenden oder kaum fließenden Wasser bzw. im leichten Wildwasser. Unkenntnis der Gefahren, Selbstüberschätzung, Leichtsinn oder schlicht Ignoranz sind meistens die Ursache dafür, daß Paddler auf dem Bach bleiben.
Wildwasserfahren ist kein übermäßig gefährlicher Sport - wenn man die notwendige Vorsicht walten läßt und von Befahrungen im äussersten Extrembereich einmal absieht. Wildwasserfahren wird dann riskant, wenn der Sportler sich nicht die Mühe macht, sich mit möglichen Risiken gedanklich auseinanderzusetzen oder die konsequente Umsetzung sicherheitsspezifischer Vorkehrungen aus Bequemlichkeit, Vergesslichkeit oder Dummheit unterlässt.
Ein Raftingunfall auf der Koppentraun mit mehreren Todesopfern ereignete sich, weil die Bootsführer trotz klar erkennbarem starkem Hochwasser in eine ohnehin problematische Passage eingefahren sind. Im Engadin ertranken mehrere Rafter, weil ein Guide in eine eindeutig gesperrte Flußbaustelle eingefahren ist- die Teilnehmer trugen zum Teil weder Schwimmwesten noch Helme oder Neoprenanzüge, die Mannschaft war mit ausrangierten Bundeswehrbooten unterwegs. Auf dem Inn kam ein Rafter zu Tode, weil er sich unter Wasser in der Fußschlaufe seines krawattierten Bootes verfangen hatte und kein Messer griffbereit war, um Ihn zu befreien. Auf dem Lech ertranken einige Schüler, die trotz Hochwasser eine Schlauchboottour auf dem eigentlich leichten Fluß unternommen hatten.
Trotz dieser erschreckenden Beispiele ist der Wildwassersport ein sicherer Sport. Jährlich unternehmen im deutschsprachigen Alpenraum etwa 150.000 Menschen Wildwassertouren mit Schlauchbooten, die meisten von Ihnen im Rahmen geführter Raftingtouren. In den letzten 10 Jahren dürften so fast eine Million Teilnehmer in den klassischen Raftingrevieren wie Inntal, Vorderrhein, Steiermark oder Salzkammergut „auf dem Bach“ gewesen sein, trotzdem läßt sich die Anzahl der Unfälle mit tödlichem Ausgang bei kommerziellen Touren in dieser Zeit an einer Hand abzählen.Das Risiko liegt nicht einmal im Promillebereich.
Strenge behördliche Auflagen und ein nicht zu unterschätzender Konkurrenzdruck zwingen die Raftingunternehmen zur Einhaltung strikter Sicherheitskonzepte und machen Rafting so zu einer Betätigung, die im Prinzip ungefährlicher ist, als die tägliche Teilnahme am Straßenverkehr oder die Flugreise in den sonnigen Süden.
Für die Gemeinden im Alpenraum hat sich der „Outdoor-Tourismus“ zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Nichts fürchten die Tourismusmanager mehr, als Negativschlagzeilen wie „Todessport Rafting fordert neues Opfer in der Steiermark“ o.ä.. Strikte Kontrollen von Befähigungsnachweisen der Raftingunternehmen und Ihrer Bootsführer an Einstiegen und Ausstiegsstellen, die zwingend vorgeschriebene TÜV-Abnahme von kommerziellen Booten und die streng reglementierte Vergabe erforderlicher Genehmigungen haben dafür gesorgt, daß die schwarzen Schafe aus der Anfangszeit des kommerziellen Raftings mitlerweile verschwunden sind.
Im privaten Bereich greifen diese Regelungen nicht - wer will, kann (fast) überall sein Boot aufs Wasser bringen, egal ob es ein Badeboot ist, egal, ob der Fluß Hochwasser führt, egal, ob er eine Schwimmweste trägt und egal, ob es ein Fluß im V. Schwierigkeitsgrad ist.
Natürlich kann niemand ernsthaft eine Führerscheinpflicht oder ähnliche Regelungen für private Wildwasserfahrer verlangen - letztlich sucht man auf dem Fluß ja die Freiheit vor der alltäglichen Regulierungswut deutscher Amtsstuben. Dennoch ist jeder Wildwasserfahrer in der Pflicht, durch vorbildlich risikobewußtes Verhalten mit dafür zu sorgen, daß der Amtsschimmel nicht doch einmal beginnt, in dieser Richtung Amok zu laufen.
Dieses Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es bündelt die Erfahrung und das Wissen beider Verfasser und kann als Leitfaden für sportliche Aktivitäten dienen. Die Lektüre ersetzt keinesfalls das praktische Training, den Erfahrungsaustausch mit anderen Wildwasserfahrern und eine kontinuierliche Weiterbildung in Sicherheitsfragen. Jeder Wildwasserfahrer ist im leichtesten Fall in vollem Umfang für das eigene Leben, im schwersten Fall für das Leben einiger Kameraden oder Tourenteilnehmer verantwortlich. Dieser Verantwortung muß Rechnung getragen werden.
Wenn tatsächlich einmal etwas passiert, ist hinterher meistens keiner so richtig schuld, aber jeder hat schon vorher leise gesagt, daß das alles nicht gutgehen kann. Herauszufinden, ob bei einem Wildwasserunfall tatsächlich jemand schuldhaft einem anderen einen Schaden zugefügt hat , wird so, insbesondere im gewerblichen Bereich, schnell Aufgabe von Gericht und Anwälten.
Von der moralischen Verantwortung, über die jeder einzelne , der an einem Wildwasserunfall direkt oder indirekt beteiligt war für sich zu befinden hat einmal abgesehen, gibt es klare Grundlagen in der Bewertung von Verantwortlichkeiten bei Wildwasserunfällen.
Verantwortung trägt in erster Linie der Unfallverursacher (wenn es so etwas im konkreten Fall gibt), bei privaten Gruppen das erfahrenste Gruppenmitglied und bei kommerziellen Touren der Bootsführer und der Unternehmer.
Im Binnenverhältnis zwischen gewerblichem Raftguide (oder Kanulehrer, Canyoningguide usw) und Unternehmer können beide davon ausgehen, daß der jeweils andere seinen Sorgfaltspflichten nachkommt und im Rahmen Ihrer (evt. amtlichen) Qualifikation agieren. Ein Raftguide muß sich darauf verlassen können, daß seinen Teilnehmern durch den Unternehmer Zugangsvoraussetzungen wie Schwimmkenntnisse o.ä zugänglich gemacht wurden, der Unternehmer muß sich im Gegenzug darauf verlassen können, daß der Guide z.B. nicht mit einem ungeeigneten Boot oder einem offensichtlich alkoholisierten Teilnehmer auf den Fluß startet.
Schwierig wird die Situation dann, wenn der Unternehmer den Guide nachdrürcklich auffordert oder sogar zwingt, seine Sorgfaltspflicht ausser acht zu lassen - im Zweifellsfall wird die Verantwortung für einen daraus resultierenden Unfall größtenteils vom Guide zu übernehmen sein.
In der rechtlichen Behandlung von Unfällen ist zwischen der strafrechtlichen Würdigung (bei Offizialdelikten wie Körperverletzung oder Tötung) und der zivilrechtlichen Ermittlung eventueller Schadenersatzansprüche zu unterscheiden. Kommt es zu einem strafrechtlichen Verfahren, kann in der Regel davon ausgegangen werden, daß das Ergebnis dieses Verfahrens Grundlage für die zivilrechtliche Behandlung des Falles sein wird.
Grundlegend für die Ermittlung von Haftungsansprüchen ist die Frage, ob ein Schaden schuldhaft verursacht wurde.Das bedeutet, daß sich nicht bei jedem Unfall zwingend eine Haftung ergibt. Läßt ein Verantwortlicher alle erfoderliche Vorsicht walten und erfüllt er seine diesbezügliche Sorgfaltpflicht, kann ihm auch der Staatsanwalt keinen Vorwurf machen: Ein Mitrafter, der ins Wasser fällt und einen Herzinfarkt erleidet, wäre demnach also selber schuld, solange er nicht vorher mit dem Verantwortlichen über eine eventuelle Herzschwäche gesprochen hätte, entsprechend ausgerüstet gewesen wäre und sich über die Rsiken einer Wildwassertour klar gewesen wäre. Informiert er dagegen vor der Tour den Verantwortlichen von einer Herzschwäche und bekommt von ihm ein flappsiges „Paßt schon“ zu hören, kann dieser dafür u.U. zur Verantwortung gezogen werden.
Fast immer sind Wildwasserunfälle auf Fehler im Verhalten von Guide, Gruppenmitgliedern oder der ganzen Gruppe zurückzuführen. Wenn klar ist, wer die Verantwortung für den Unfall trägt und daß tatsächlich eine schuldhafte Schadensverursachung vorliegt, ist die Schwere der Schuld von entscheidender Wichtigkeit sowohl für die Bewertung der Haftung als auch für das Ausmaß eventueller strafrechtlicher Konsequenzen: Unfälle können sich aufgrund eines entschuldbaren Fehlverhaltens, aufgrund von leichter oder schwerer Fahrlässigkeit oder durch Vorsatz des Verantwortlichen ereignen. Das bedeutet, daß es für den Verantwortlichen unabhängig von den Unfallfolgen andere Konsequenzen hat, in seiner Eigenschaft als „Befahrungsältester“ oder Raftguide betrunken auf ein Boot mit unerfahrenen Teilnehmern zu steigen, als zu vergessen, sein Messer oder seine Bergeleine mitzunehmen.
Im Falle eines Falles kann es nach einem Unfall zu hohen Schadensersatzansprüchen kommen. Inwieweit die eigene private Haftpflichtversicherung Ansprüche aus schuldhaft verursachten privaten Unfällen übernimmt, sollte wegen der Vielzahl verschiedener Vertragsmöglichkeiten von jedem Wildwassersportler selbst mit der eigenen Versicherung geklärt werden.Im Falle eines Falles kann es nach einem Unfall zu hohen Schadensersatzansprüchen kommen. Inwieweit die eigene private Haftpflichtversicherung Ansprüche aus schuldhaft verursachten privaten Unfällen übernimmt, sollte wegen der Vielzahl verschiedener Vertragsmöglichkeiten von jedem Wildwassersportler selbst mit der eigenen Versicherung geklärt werden.Im Falle eines Falles kann es nach einem Unfall zu hohen Schadensersatzansprüchen kommen. Inwieweit die eigene private Haftpflichtversicherung Ansprüche aus schuldhaft verursachten privaten Unfällen übernimmt, sollte wegen der Vielzahl verschiedener Vertragsmöglichkeiten von jedem Wildwassersportler selbst mit der eigenen Versicherung geklärt werden.
Die Haftpflichversicherung über die Vereinsmitgliedschaft in (dem deutschen Kanuverband angeschlossenen) Vereinen umfaßt lediglich eine Absicherung bei Schadensfällen, die sich im Rahmen von offiziellen Vereinsveranstaltungen ereignen. Die private Ausfahrt (auch mit anderen Vereinsmitgliedern) wird nicht abgedeckt.
Bei Unfällen im gewerblichen Bereich werden Ansprüche in aller Regel primär gegen den Veranstalter erhoben, der (zumindest in Österreich und der Schweiz) über eine Geschäftshaftpflichtversicherung verfügen muß. Diese Versicherung deckt Schadensfälle ab, die vom Veranstalter zu verantworten sind. Verursacht ein Guide schuldhaft einen Unfall, wird die Haftpflichtversicherung des Veranstalter die Ansprüche des Geschädigten zwar in der Regel vorerst befriedigen, u.U. aber hinterher den Guide in Regreß nehmen, d.h. die geleisteten Zahlungen von Ihm zurückfordern. Gegen diese Ansprüche kann sich ein gewerblicher Bootsführer oder Kanulehrer durch eine Berufshaftpflichtversicherung absichern, teilweise schließen auch Veranstalter dieses Versicherungen für Ihre Mitarbeiter ab.
Die Absicherung gegen horrende Prozeßkosten kann über eine Rechtsschutzversicherung erzielt werden. Wie bei allen Versicherungsverträgen gilt natürlich ohnehin (und beim Wildwassersport ganz besonders): sorgfältig das kleingedruckte nach möglichen Haftungsausschlüssen durchforsten und mündliche Zusagen von Versicherungsmaklern immer auch in schriftlicher Form bestätigen lassen.
Da Gerichte im Zweifellsfall mit wildwasserspezifischen Fachfragen fast immer überfodert sein dürften, kann von der Zuziehung von Gutachtern ausgegangen werden. Unter Umständen kann es ratsam sein, selbst darauf zu bestehen, obwohl vom Gericht diesbezüglich nichts unternommen wurde: Kaum ein deutscher Richter dürfte wissen, daß es Gutachter für Wildwasserunfälle gibt. In Deutschland kommt hierfür der DKV bzw. der VDKS in Frage (Adressen siehe Index), in Österreich gibt es teilweise sogar offizielle Wildwassersachverständige der jeweiligen Landesregierungen, deren Adressen auch dort in Erfahrung gebracht werden können.
Mit Sorgfaltspflicht wird die Verpflichtung von Verantwortungsträgern bezeichnet, soweit als möglich Vorsorge für die Sicherheit der ihm anvertrauten Personen zu leisten. Diese Sorgfaltspflicht geht weit über das Maß an Vorsorge hinaus, das man als Wildwassersdportler intuitiv für verpflichtend halten würde. So muß beispielsweise der Fahrtenleiter im Falle eines ungeplaten Befahrungsabbruches sicherstellen, daß auch in seiner Abwesenheit (!) keiner seiner Zöglinge so nahe ans Wasser kommt, daß für denjenigen das Risiko besteht hineinzufallen. Er hat die Konstitution seiner Zöglinge permanent im Auge zu behalten und muß bei den ersten Anzeichen von Erschöpfung die Möglichkeit zur Regenration schaffen usw. .Beí Gruppenfahrtren im Wildwasser seine Sorgfaltspflicht permanent lückenlos zu erfüllen ist eine mehr als schwierige, fast unlösbare Aufgabe - dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man wiedereinmal mit erheblich schwächeren Fahrern auf den Fluß geht.
Um weitgehend auszuschließen, im Falle eines Unfalles der Fahrlässigkeit bezichtigt zu werden, sollten folgende Punkte unbedingt vor jeder Tour mit anderen Paddlern nochmals überdacht werden, wenn man selbst als Verantwortungsträger an der Tour beteiligt bist
Verhältnismäßigkeit Schwierigkeitsgrad / eigene wildwasserspezifische Qualifikation
Wasserstand und Wetterlage, ausreichende Informationsmenge über den geplanten Befahrungsabschnitt
vollständige, funktionstüchtige Ausrüstung (auch Sicherheitequipment und 1.Hilfe)
Eignung der anderen Teilnehmer (Schwimmkenntnisse, Vorkenntnissse, körperliche Konstitution, Alkohol(!) )
Bist du selbst / Ist jemand anders in der Lage, 1.Hilfe zu leisten ?
Zumindest in Deutschland sind Enthaftungserklärungen, die bei gewerblichen Touren den Teilnehmern zur Unterschrift vorgelegt werden so gut wie wertlos. Ratsam ist es jedoch, die Teilnehmer per Unterschrift bestätigen zu lassen, daß Sie die erforderlichen Teilnahmevoraussetzungen erfüllen. Um Mißverständnisse auszuschließen empfiehlt es sich, im Rahmen des Safetytalks nochmals vernehmlich auf dieses Teilnahmevoraussetzungen hinzuweisen.
Unfälle im Wildwassersport basieren fast immer auf Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, auf Schlamperei oder Leichtsinn. Trotzdem muß auch bei gewissenhafter Vorsorge getreu Murphy’s Law davon ausgegangen werden, das es zu unfallträchtigen Situationen kommt. Fahrtaktische Fehler oder unsauber ausgeführte Steuermanöver können selbst dem besten und erfahrensten Wildwasserfahrer unterlaufen.Nachfolgend zwei die häufigsten Notfallsituationen, mit denen Rafter wie Schlauchkanadierfahrer im harten Wildwasseralltag konfrontiert werden können.
Egal, ob Schlauchkanadier, Raft oder Öltanker: Alle Schiffe können kentern ( Flip ist der gängige Anglizismus für Kenterungen mit dem Raft). Kenterungen beinhalten (ebenso wie das Über-Bord-gehen von einzelnen Paddlern) immer ein ausgesprochen hohes Risiko für alle Betroffenen. Schwimmen im Wildwasser - das sich zwangsläufig aus der Kenterung ergibt - ist selten ein Spaß: Mehr oder weniger Scharfkantiges Gestein malträtiert u.U. den ganzen Körper, die Wucht desWassers dürckt, zieht und saugt den Schwimmer immer wieder unter die Wasseroberfläche und sorgt für mühsame Sauerstoffversorgung, die Kälte zieht dem Schwimmer die Kraft aus den Muskeln.Angst und Desorientierung tun ein übriges, um den Probanden zu erschöpfen. Je weniger Erfahrung der Schwimmer im Wildwasser hat, desto schneller kommt er an seine ( durchaus wörtlich gemeinte ) Grenze.
Es muß also schnell das richtige unternommen werden: Der Schwimmer muß schnell zum Boot (oder in Ausnahmefällen ans Ufer ), das Boot muß schnell wieder aufgestellt werden, der Schwimmer muß schnell wieder ins Boot hinein.
Wildwasserschwimmtechnik, Wiederaufstellen des Bootes und Einstiegstechniken werden in eigenen Kapiteln behandelt und müssen immer wieder geübt werden. Für jeden Schwimmer, insbesondere aber für den Guides, gilt es, sich nach Möglichkeit auch über die Situation der anderen beteiligten im klaren zu bleiben: Sind alle anderen in Sicht ? Kann es sein, daß sich jemand unter dem Boot verklemmt hat ? Muß ich jemandem zu Hilfe kommen ? Wer ist wo ? Wo ist mein Boot, wie sieht der Fluß vor mir aus ? In aller Regel ist es ratsam, sich als Schwimmer zum Boot hinzuorientieren - meistens ist es nicht allzuweit entfernt und für alle Schwimmer zu sehen und bietet sich so als idealer Treffpunkt im Wildwasserchaos an. Zudem ist im Uferbereich bzw. ausserhalb der Hauptströmung durchaus mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko durch Steinhindernisse zu rechnen.
Erst, wenn das Boot eindeutig zu weit entfernt ist (weil es z.B. flußoberhalb vom Schwimmer festklemmt) ,der Fluß vor dem Schwimmer immer wilder oder die eigene Erschöpfung immer größer wird, sollte man in Richtung Ufer schwimmen. Wenn so der Kontakt unter den Mannschaftsmitgliedern verlorengeht, gilt es vor allen anderen Aktionen festzustellen, ob wirklich alle noch da und unversehrt sind. Es hat sich bewährt, in dieser Situation im Uferbereich flußabwärts zu laufen - wer vermutet, daß der Großteil der Gruppe flußoberhalb von Ihm ist, sollte am zumindest einige Minuten warten, bevor er in flußaufwärtiger Richtung aufbricht.
Sich ausserhalb Sichtweite des Flußbettes zu bewegen, sollte in jedem Fall vermieden werden, bevor das ganze Team zumindest Blickkontakt hatte und die weitere Vorgehensweise vereinbart wurde. Sich nach einer Kenterung alleine auf den Weg in Richtung Straße oder nächster Biergarten zu machen, kann zu mehrstündigen Suchaktionen der Kameraden führen, die ja zunächst vom schlimmsten aller Fälle ausgehen müssen, wenn ein Mitpaddler spurlos verwschwunden ist.
Kommt ein Boot quer vor einen angeströmten, über die Wasseroberfläche ragenden Hinderniss zu liegen, wird es durch den Strömungsdruck meist buchstäblich um das Hindernis gewickelt: Die Bootsmitte wird durch das Hinderniss fixiert, Heck und Bug, die meist über das Hindernis hinausragen, werden von dem Strömungsdruck flußabwärts gedrückt, und in aller Regel ist das Bootsmaterial (bei Schlauchboote ohnehin nicht) nicht in der Lage, diesem Strömungsdruck standzuhalten - fertig ist die Krawatte. In aller Regel kommt es zuvor noch zu einer halben Kenterung: der der Strömung zugewandet Wulst des Bootes wird unter Wasser gedrück, so daß das Boot letztlich im 90° Winkel um die Bootslängsachse vom Hindernis wegdreht, bevor es krawattiert. Die typische Krawatte kommt an stark angeströmten Brückenpfeilern, an mitten im Stromzug liegenden, leicht zu übersehenden Steinen und, natürlich, im extrem verblockten, steilen Wildwasser zustande.
Die Krawatte dürfte wohl die gefährlichste Notfallsituation für Schlauchbootfahrer im Wildwasser sein. Das Risiko, sich als Schwimmer am Boot oder, noch schlimmer, zwischen Boot und Hindernis zu verklemmen, ist gerade beim Raft enorm, die Folgen sind fast immer fatal. Fast immer läßt sich diese Situation schon im Vorfeld durch eine entsprechende Fahrtaktik, oder, wenn man schon am Hindernis andockt, durch Hyside/Rockside-Manöver bzw. im Schlauchkanadier durch entsprechendes Aufkanten vermeiden bzw. entschärfen. Wenn man das vermasselt hat, gilt es schnell und entschlossen zu handeln. Während beim Schlauchkanadier die Risiken noch recht überschaubar sind, ist auf dem Raft jetzt die allerhöchste Alarmstufe angbracht!
Der sicherste Platz bei einer Krawatte ist fast immer auf dem Stein, der die Krawatte verursacht hat. Mit Abstand am gefährlichsten ist es auf dem unter Wasser gedrückten, vorher flußaufwärtigem Längswulst. Alle festen oder losen (Fußschlaufen) Verdindungen mit dem Boot müssen sofort gelöst werden, die richtige Bewegungsrichtung ist immer in Richtung des nach oben gedrückten Längswulstes. Die größte Gefahr in dieser Situation besteht darin, auf dem nach unten gedrückten Wulst sitzend in der Fußschlauf hängenzubleiben und vom Strömungsdruck unter Wasser gedrückt zu werden. In dieser Situation geraten die Fußschlaufen automatisch unter Zug und lassen kaum eine Chance, den Fuß aus der Schlaufe herauszuziehen. Im Zweifellsfall ist es demnach besser, frühzeitig keinerlei Versuche mehr zu unternehmen, sich mit den Füßen am Boot zu halten und die Füße, solange es noch möglich ist, aus den Schlaufen zu ziehen.
Bei fast jeder Krawatte wird die Gesamtsituation sofort völlig unübersichtlich - zu viele Dinge passieren gleichzeitig, als daß man sie noch erfassen könnte. Wenn die eigene Sicherheit gewährleistet ist, gilt es als erstes sicherzustellen, daß sich wirklich ganz sicher kein anderer Paddler an Boot oder Hindernis verfangen hat. Also muß die Mannschaft sofort durchgezählt werden, wenn ein Paddler fehlt muß sofort vom schlimmsten ausgegangen werden und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. In erster Linie bedeutet das, so gründlich wie möglich nachzusehen, ob noch jemand am Boot hängt; im Zweifellsfall kann das bedeuten, das sich ein Mann von oben per Abseilen(bei Brückenpfeilern, vgl auch Sicherheit, Abseiltechniken)) oder schwimmend (evt. mit Wurfsacksicherung vgl. Sicherheit, Umgang mit dem Wurfsack) wieder zum Boot arbeiten muß. Hängt tatsächlich noch jemand an, unter oder hinter dem Boot, der durch einfachen Körpereinsatz des Retters nicht mehr zu befreien ist, ist es fast garantiert zu spät, das Boot mit Seilen oder Flaschenzügen vom Hindernis zu lösen: Jetzt muß die Luft aus dem unteren Wulst. Im seltenseten Fall gelingt dies durch Öffnen der Ventile, in aller Regel muß der Wulst mit dem Messer geöffnet werden; Dadurch verlieren im Regelfall die Fußschlaufen Ihre Spannung und der Schwimmer kommt frei. Hilft auch das nichts mehr bzw. klemmt der Schwimmer komplett zwischen Hinderniss und Boot, muß der Bootsboden herausgeschnitten werden.
Generell muß in dieser Situation davon ausgegangen werden, daß nicht nur eine, leicht erkennbare Person, am Boot hängt - wenn der Rest der Mannschafft nicht komplett ist, kann ausser dem „leicht“ verklemmten Opfer, das vielleicht noch die Möglichkeit hat, Luft zu holen, sich noch ein weiteres Opfer hinter oder unter dem Boot befinden und bereits um sein Leben kämpfen.
Wer bei einer Krawattierung vom Boot getrennt und abgetrieben wird, muß demnach so schnell als irgend möglich wieder Kontakt zu den noch am Boot befindlichen Kameraden aufnehmen, um ihnen unnötige und möglicherweise gefährliche Rettungsaktionen zu ersparen.
Ist die ganze Besatzung des Bootes in Sicherheit, gilt es meist, das Boot mittels Seil und Flaschenzug zu bergen (siehe Sicherheit / Bootsbergungen).
Schwimmen im Wildwasser kann im Einzelfall sogar Spaß machen - in der Regel ist das glatte Gegenteil der Fall. Atemnot, Kälte, Schläge von Steinen oder anderen Hindernissen und nicht zuletzt die psychische Belastung setzten dem Schwimmer im hohen Maße zu, und nur eine adäqute Schwimmtechnik macht die Situation überhaupt annähernd beherschbar.
Im Wildwasser schwimmt man wie in der Badewanne - zumindest was die Körperhaltung angeht: Auf dem Rücken, mit flußabwärts gerichteten, leicht angewinkelten Beinen (die Fußspitzen sollten dabei leicht aus dem Wasser schauen ) und leicht ausgebreiteten Armen, wobei die Arme den Schwimmer in dieser Haltung stabiliseren sollen und ein Ausweichen vor Hindenisssen in Rückenschwimmtechnik (ähnlich Seilfähre rückwärts) ermöglichen.
Versperrt nun ein stark angeströmter Stein die Bahn des Schwimmers, dem er schwimmend nicht mehr ausweichen kann, hat er die Möglichkeit, sich mit den Füßen am Stein abzustoßen und den Körper am Stein vorbeizuleiten - funktioniert das nicht, verursacht der Steinkontakt die beliebten blauschwarzen Flecken wenigstens nur am Hinterteil - und nicht im Gesicht, wie es bei einer frontalen Bauchlage des Schwimmers notgedrungen der Fall wäre.
Zum schnellen Vorwärtskommen, beispielsweise um ein rettendes Kehrwasser zu erreichen, kann sich der Schwimmer auf den Bauch drehen, un in kräftigen Kraulstößen auf das anvisierte Ziel zuschwimmen. Vorher sollte er sich allerdings vergewissern, daß er eine freie Bahn vor sich hat, die nicht mit Steinen oder anderen Hindernissen gespickt ist.
Wenn das Boot nicht mehr in Reichweite ist, gilt es, schleunigst ans Ufer zu gelangen - auch hier bieten sich evt. vorhandene Kehrwasser an, um dem Stromzug zu entkommen. Fatalerweise erwartet den Schwimmer kurz vor dem Kehrwasser (insbesondere auf wuchtigem Wildwasser) eine kräftige Verschneidungszone, die es zu überwinden gilt. Im Idealfall sollte sich der Schwimmer unmittelbar unterhalb des Kehrwasserursprungs kraftvoll über die Verschneidungslinie hinweg gleichsam ins Kehrwasser katapultieren, wobei die Hände der beiden gestreckten Arme wie eine Schaufel über die Eddyline ins Kehrwasser greifen sollten.
Bei Beschwimmen von kräftigen Eddylines muß davon ausgegangen werden, daß die Verschneidung den Schwimmer nach unten absaugt und er für mehr oder weniger kurze Zeit das Tageslicht aus den Augen verliert.
Richtig problematisch gerät der Schwimmausflug, wenn sich Atmungsprobleme einstellen, beispielsweise nach der Inhalation größerer Mengen Flußwasser. Deswegen gilt es, so kontrolliert zu atmen, daß diese Situation nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen kann: Statt mit weit aufgerissenem Mund sollte mit gespitzten Lippen nur dann geatmet werden, wenn auch wirklich ausreichend Luft vorhanden ist.
Erhebt sich unmittelbar vor dem Schwimmer ein großer Brecher, eine entsprechende Walze oder ein Rücklauf, gilt es aus zwei Gründen, den weiß gischtenden Bereich unbedingt zu meiden: Einerseits wird der Schwimmer von dem Wellenkamm richtiggehend geohrfeigt, wobei von intensiven Spülungen der Stirn- und Nasennebenhöhlen ausgegangen werden kann. Zum anderen muß auch ein Schwimmer davon ausgehen, daß ihn ein entsprechender Rücklauf durchaus für längere Zeit festhalten kann.
Kurz vor dem Wellen- oder Walzenkamm sollte der Schwimmer also Beine und Armen anziehen, das Kinn auf die Brust nehmen und sich als „menschliche Kugel“ unter die Wasseroberfläche durchsacken lassen, so daß der Gischtbereich untertaucht wird.
Wird der Schwimmer dennoch in der Walze gehalten, ist der Spaß endgültig vorbei - jetzt geht es in der Regel um alles oder nichts.
Nur in der ablaufenden Unterströmung bietet jetzt noch eine realistische Chance, dem Rücklauf zu entkommen - in der Walze gegen die Oberflächenströmung anschwimmen zu wollen, ist meist ein aussichtsloses Unterfangen. Der Schwimmer orientiert sich also Richtung flußaufwärts und versucht, mit voller Kraft in die ihm entgegenkommende Hauptströmung einzutauchen. Theoretisch reißt ihn die Hauptströmung jetzt nach unten Richtung Flußbett und gleichzeitig unter dem Rücklauf hinweg ins abfließende Wasser. . Will das nicht funktionieren, kann auch versucht werden, den Rücklauf zur Seite hin zu verlassen.
Alle Theorie ist grau: Tatsächlich gehört nicht nur die richtige Technik und genug Standvermögen für mehrere Ausbruchsversuche sondern auch ein ordentliches Quentchen Glück dazu, einem starken Rücklauf schwimmend wieder zu entkommen.
Etwas ältere Theorien empfehlen, sich beim Schwimmen in der Walze die Schwimmweste abzustreifen, um dann mit weniger Auftrieb einfacher durchtauchen zu können. Möglicherweise kann sich diese Technik im absoluten Grenzbereich als sinnvoll erweisen, es sollte dabei allerdings bedacht werden, daß im Erfolgsfall mit der Schwimmweste fast alle Sicherheitsressourcen für die Fortsetzung der Schwimmaktion geopfert werden und im schlimmsten Fall, also beim Schwimmen bis zum Atmungsstillstand, die Bergemöglichkeiten für eventuelle Retter stark reduziert werden.
Ist das Boot in Reichweite und kann darauf verzichtet werden, ans Ufer zu schwimmen, gilt es, so schnell als möglich wieder ins Boot zu gelangen. Die relativ hohen Wülste von Rafts bzw. die vergleichsweise geringe Kippstabilität von Schlauchkanadiern machen daraus ein nicht ganz einfaches Manöver, das perfekt sitzen sollte, bevor man die ersten Wildwasserausflüge mit dem Schlauchboot unternimmt. Beim Raft ist zwischen dem aktiven, also selbstständigen Wiedereinstieg, und dem passivem, partnerunterstützten Wiedereinstieg zu unterscheiden. Bei der aktiven Variante umfaßt der Schwimmer mit beiden Händen die Aussenreeling, nach Möglichkeit jeweils rechts und links neben einem D-Ring und legt sich bäuchlings, so flach wie möglich mit gestreckten Armen ins Wasser. Ruckartig zieht er sich dann zum Boot und springt wie an der Reckstange auf der Aussenreeling in den Stütz, um dann sofort mit einer Hand über den Wulst in eine Fußschlaufe oder in die (hier äusserst praktische) Innenreeling zu greifen. Anschließende zieht er sich daran zurück ins Boot. Ausschlaggebend für den Erflog ist neben der richtigen Ausgangsposition die Geschwindigkeit und Flüssigkeit des gesamten Bewegungsablaufes.
Beim passiven Wiedereinstieg kniet sich ein anderes, noch im Boot befindliches Teammitglied mit beiden Kieen auf den Wulst, wobei hier die Eigensicherung mittels Fußschalufe zu beachten ist. Anschließend dreht er den Schwimmer mit der Brust zum Längswulst und greift mit der einen Hand unter den Schultergurt der Schwimmweste, mit der anderen unter der Achsel des Schwimmers hindurch zum Bauchgurt. Mit kräftigem Hau-Ruck und unter Einsatz des eigenen Körpergewichts kann der Retter nun den Schwimmer problemlos wieder ins Boot ziehen.
Beim Schlauchkanadier bietet sich nur die Möglichkeit des aktiven Wiedereinstieges an, der zu zweit erheblich einfacher gelingt als alleine. Die beiden Piloten sollten sich auf Höhe der Sitzbretter jeweils rechts und links an den Längswulst begeben und dann über den Wulst an das Sitzbrett greifen. Sind beide in Position, ziehen sie sich auf Kommando gleichzeitig wieder ins Boot.
Schwimmt nur einer der beiden Paddler und will nun wieder einsteigen, muß der im Boot verbliebene Partner sein Körpergewicht extrem auf die dem Schwimmer gegenüberliegende Seite verlagern, um ein Kentern des Bootes zu verhindern.
Ein Raftingspezifisches Thema: 4 Mann schwimmen, 4 Mann sind noch im Boot- was nun ? Grundsätzlich gilt: zuerst wird der am weitesten Flußabwärts befindliche Schwimmer anvisiert (wenn nicht eindeutig einer der vier in akuter Gefahr ist). Alle anderen Schwimmer ainzusammeln, ist von dieser Position aus dann vergelichsweise einfach - leichter paddelt man einem Schwimmer stromauf entgegen als stromab hinterher. Im Extremfall biete sich sogar die Möglichkeit, im Kehrwasser auf den oder die anderen Schwimmer zu warten.
Unter normalemn Umständen wird man jedoch bereits während der Bergung des untersten Schwimmers den Bootsbug Richtung flußauf drehen und den anderen Schwimmern entgegenpaddeln.
Vom Raft wie vom Ufer aus kann versucht werden, den Schwimmer mit dem Wurfsack zu bergen, wobei der wacklige Stand auf dem Raft das zielsichere Werfen erheblich erschwert. ( vgl. auch:Handhabung desWurfsacks). Der Schwimmer, der den Wurfsack zu fassen bekommt, sollte nun das Seil über die Schulter legen, es mit beiden Händen vor der Brust festhalten und sich auf dem Rücken liegend von dem Retter einholen lassen. Feste Verbindungen zwischen Seil und Schwimmer, wie das mehrfache Schlingen des Seils um das Handgelenk sollten dabei unbedingt vermieden werden, um ein sofortiges Lösen vom Seil zu ermöglichen.
Der Schwimmer kann dabei auch das Seil lose durch die Hände laufen lassen, bis er den Sack und die daran befindliche Griffschlaufe zu fassen bekommt. So wird das Risiko für den Schwimmer reduziert, sich in der frei im Wasser befindlichen Seillänge des ausgeworfenen Wurfsackes zu verheddern, andereseits werden möglicherweise wertvolle Sekunden verschenkt, bis das freie Seil vom Boot aus eingeholt wird. Wie oft im Wildwassersport eine Ermessensfrage, die situativ von den beteiligten Kameraden entscheiden werden muß.
Auch wenn es hinderlich ist:solange es geht, sollte der Schwimmer sein Paddel in der Hand behalten, schlußendlich soll die Fahrt später ja meistens fortgesetzt werden. Wie immer gilt natürlich auch hier der Grundsatz „Mensch vor Material“, aber wer schon einmal eine Befahrung abbrechen mußte und aus einer senkrechten Klamm ausgestiegen ist, weil er selbst oder sein Partner ohne große Not ein Paddel sausen lassen hat, verteidigt den Löffel mit Zähen und Klauen gegen das Wildwasser.
Kentert das Raft oder der Schlauchkanadier, ist fast immer ein sofortiger Reflip des Bootes das probateste Mittel, die Situation risikotechnisch zu entschärfen. Logisch: je schneller das Boot wieder richtig herum auf dem Wasser leigt und je schneller das Team wieder im Boot sitzt, desto weniger kann letztlich passieren.
Schwieriger gestaltet sich der Reflip eines Rafts - 50-100kg wollen erst einmal um die eigene Längsachse gedreht werden.
Vor allen anderen Aktionen sollte sich der Guide versichern, daß bei der Kenterung keine Person unter das Boot geraten ist, wo sie sich jetzt vielleicht krampfartig an den Fußschlaufen festhält - das wären denkbvar schlechte Voraussetzungen für den späteren Reflip. Abgesehen davon ist das Schwimmen unter dem Boot erheblich riskanter akls das Schwimmen neben dem Boot.
Anschließend muß der Guide auf den nach oben weisenden Bootsboden klettern. Bug und Heck bieten sich wegen Ihrer Abflachung an, können aber auch aus zeitlichen oder strömungbedingten Gründen ausscheiden, insbesondere bei heckrudergestuerten Rafts verbietet sich der (herrlich einfache) Aufstieg über das Heck wegen des emminent gefährlichen Floßruders. Generell muß ein Guide ohnehin in der Lage sein, an jeder Stelle des Aussenwulstes schnell und sicher auf das Boot zu gelangen.
Schwierig wird diese Angelegenheit zum einen durch den schlechten Halt für die Hände am Bootsboden, zum anderen durch die Höhe des Wulstes.
In der Regel bieten Lenzöffnungen oder ( bei eingebundenen Böden) Gummilaschen eine mehr oder weniger gute Festhaltemöglichkeit. Fehtl beides, empfiehlt es sich, am Bootsboden an geeigneter Stelle eng anliegende Gunnilaschen anzukleben, um den Aufstieg auf das Boot zu erleichtern. Der Guide sucht also mit den Händen eine vernünftige Haltemöglichkeit. Ähnlich wie beim Wiedereinstieg in das richtigherum liegende Boot legt sich der Kletterkünstler dann so flach wie möglich aufs Wasser und streckt die Arme durch. Mit einem kräftigen Beschleunigungsschlag beider Beine und ruckartigem Heranziehen an das Boot gelingt der Aufstieg - wenn auch nicht immer aufs erste Mal.
Sobald der Guide auf dem Bootsboden steht, sollte er sich zuerst einen Überblick über die Situation seiner Mannschaft machen - möglicherweise kann es jetzt besser sein, keine weitere Zeit zu verschwenden, einen (vielleicht auch alle) erschöpften Schwimmer mit auf den Bootsboden zu ziehen und kieloben so schnell als möglich das Ufer anzusteuern.
Ist diese extrem materialstrapazierende Maßnahme nicht erforderlich, werden die am Boot befindlichen Schwimmer zu den Bootsspitzen beordert ( bei Heckruderbooten nur nach vorne !), um zu vermeiden, daß einerseits den Schwimmern das Boot auf den Kopf geflippt wird (unangenehm!), andererseits, damit kein Schwimmer die Bootsseite, die hochkommen soll, untenhält.
Dann hängt der Guide seine Flipleine etwa in der Bootsmitte in der Aussenreeling ein, stellt sich auf den gegenüberliegenden Wulst und legt sich mit seinem ganzen Gewicht in die Filpleine - mit Armkraft alleine ist ein Raft nicht zu drehen.
Sinnvoll ist eine ruckartige Bewegung, bei der gleichzeitig die vorher leicht angewinkelten Knie durchgedrückt, die vorher gestreckten Arme angewinkelt und das Gewicht nach hinten verlagert wird. Personen unter 60kg werden in aller Regel enorme Problem haben, ein übliches 5m-Raft wiederaufzurichten, u.U. empfiehlt es sich in diesem Fall, eine weitere Person mit auf das Boot zu zitieren. Kurz vor Beginn der Aufrichtprozedur müssen alle Schwimmer das Boot loslassen, eventuell könnnen sie von der Wasseroberfläche aus das Wiederaufstellen des Rafts mit ihrem Paddeln unterstützen.
Sobald das Boot wieder richtigherum liegt, ist ein schneller Wiedereinstieg (vgl. auch Bergung von Schwimmern) des ganzen Teams erforderlich. Zuletzt muß noch die lose baumelnde Flipleine wieder verstaut werden - es muß ja nicht der letzte Flip des Tages gewesen sein, ausserdem kann sich die Leine sonst schnell an Steinen oder Bäumen verhängen.
Training: Der Reflip ist eine der wichtigsten sicherheitsspezifischen Techniken und sollte perfekt sitzen, bevor man das erstemal auf Wildwassertouren geht. Er kann bequem und mit hoher Publkumswirksamkeit an jedem Badesee bis zur Perfektion tainiert werden.
Das Hauptaugenmerk ist beim Üben auf das Besteigen des Bootes unter erschwerten Bedingungen zu legen - als sinnvoll hat sich erwiesen, den gegenüberliegenden Längswulst von Trainingspartnern nach unten drücken zu lassen, so daß der eigen Wulst, der bestiegen werden soll, noch etwas höher aus dem Wasser ragt.
Wer’s richtig hart möchte, kann das gekenterte Boot in kräftigen Kehrwassern auf der Eddyline mit einem vom Kehrwasserursprung her abgespanntem Seil fixieren. Alsdann setzt sich ein Trainingspartner auf den Bootsboden und steuert das Boot in die Strömung.
Der andere Partner schwimmt nun mit der Strömung das Boot von oben her an und versucht, sich aufs Boot hieven.
Oben angekommen, flippt er das Boot zurück in die Strömung und steigt wieder ein - eine Trainingseinheit, die zum Standardrepertoire der östereichischen Raftguide-Prüfungen gehört und für die Trennung von Spreu und Weizen sorgen soll.
Aber Vorsicht: Diese und ähnliche Übungen im Wildwasser sollten generell nur mit einer weitere Absicherung durch einen Wurfsackwerfer etwas flußabwärts und besser niemals knapp vor unfahrbaren Stellen absolviert werden...
Auch und gerade beim Wurfsack gilt der Grundsatz: Ausrüstung macht nur dann Sinn, wenn sie richtig gehandhabt werden kann. Das schönste und teuerste Equipment nützt nichts, wenn es stümperhaft eingesetzt wird. Der Wurfsack ist ein übungsintensives Ausrüstungsstück: Nur die permanente Übung damit sorgt für eine gewisse Sicherheit im Ernstall. Die Entscheidung darüber, ob und wie der Wurfsack eingesetzt wird, muß meistens unter hohem nervlichen Druck und in der Regel in Sekunden gefällt und umgesetzt werden.
Weitere Informationen zu Wurfsacktypen, Pflege und Befestigung im Boot bzw. am Mann finden sich im Kapitel Ausrüstung / Sicherheitsequipment.
Der Schoggwurf ist die klassische Technik beim Einsatz des Wurfsackes über längere Distanzen. Die Vorteile Zielgenauigkeit und Reichweite gehen Hand in Hand mit geringer Fluggeschwindigkeit des Sackes und umständlicher Wurfvorbereitung. Generell ist der Schoggwurf tendenziell eher für Einsätze vom Ufer als für Bergungen vom Raft aus geeignet. Vom Schlauchkanadier aus ist diese Technik nur begrenzt einsetzbar.
Schoggwurf: Der geöffnete Sack wird mit nach oben weisender Öffnung in der Handfläche des senkrecht nach unten hängenden Wurfarmes so gehalten, daß das Seil nicht vor dem Wurf aus dem Sack rutschen kann. Dabei ist darauf zu achten, daß man den Sack nicht nur an seinem hintersten Ende in „Schlenkerhaltung“ festhält, was beim Wurf zu (unerwünschten) Drehungen des Wurfsackes führt. Die Gegenhand hält das Ende des Wurfseiles, wenn möglich wird das Seil vorher hinten um die Hüfte des Werfers gelegt. Die Beine stehen in Schrittstellung, wobei das Bein auf der Wurfyeite hinten, das Gegenbei vorne steht. Der durchgestreckte Wurfarm holt nun nach hinten aus, beschreibt dann in umgekehrter Richtung eine halbkreisförmige Bewegung bis etwa knapp unter Brusthöhe des Werfers und wird dann losgelassen.
Schlagwurf: Der geöffnete Sack wird mit nach oben weisender Öffnung in der Handfläche des Wurfarmes auf Schulterhöhe des Werfers so weit wie möglich nach hinten geführt. Die Gegenhand hält das Ende des Wurfseiles, wenn möglich wird das Seil vorher hinten um die Hüfte des Werfers gelegt. Die Beine stehen in Schrittstellung, wobei das Bein auf der Wurfyeite hinten, das Gegenbei vorne steht. Der angewinkelte Wurfarm streckt sich nun horizontal direkt nach vorne, zuletzt wird der Sack losgelassen. Die Bewegung des Wurfarmes wird durch eine ruckartige Vorwärtsbewegung des Oberkörpers unterstützt.
Einsatzbereiche, Sicherungsstände
Generell ist der Wurf vom Boot aus die weitaus schwierigste Wurfvariante: Von einer Bewegten Abwurfposition aus, meistens noch verbunden mit unsicherem Sitz oder Stand auf dem Boot gilt es, ein ebenfalls bewegtes Ziel zu treffen. Zudem verliert man im gleichen Moment, in dem man den Wurfsack in die Hand nimmt, zwangsläufig die Kontrolle über das Boot. In der Praxis sind sinnvolle und erfolgreiche Wurfsackbergungen vom Boot aus selten, ein Rettungsmanöver mit dem gesamten Boot ist fast immer die erfolgversprechendere Technik (vgl. F3 Bergung eines Schwimmers). Sollte sich der Wurfsackeinsatz trotzdem einmal situativ als sinnvollste Variante empfehlen, sollte der Werfer in erster Linie auf die Sicherung der eigenen Person bzw. des ganzen Bootes achten - keinem Schwimmer ist geholfen, wenn er im Wasser Gesellschaft bekommt.
Bei etwas größeren Distanzen (ab ca. 8m) kann der Wurfsack nur im Stehen adäquat eingeetzt werden. Auf dem Raft emfpielt es sich, beim Aufstehen mit den Füßen Verkeilungsmöglichkeiten an Querwülsten, zwischen Boden und Längswulst oder in den Fußschlaufen (meistens wackelig!) zu suchen. Gleichzeitg muß natürlich das weitere Geschehen vor und auf dem Boot im Auge behalten werden bzw. das Raft per Kommando weitergesteuert werden. Sinnvollerweise wird das freie Ende des Wurfsackes ( also das Leinenende) einem Mitpaddler in die Hand gedrückt. Fast immer ist ein schneller Schlagwurf die Technik der Wahl, für den Schoggwurf sind meistens die Platzverhältnisse zu beengt, darüber hinaus ist er bei wackeligem Stand entschieden weniger treffsicher als der Schlagwurf. Weite Distanzen vom Boot aus treffsicher zu werfen, ist annähernd unmöglich.
Ein Schlagwurf läßt sich auch im Sitzen zumindest noch einigermaßen wirkungsvoll ausführen, weswegen er vom Schlauchkanadier aus die einzig sinnvolle Wurfmöglichkeit bietet. Bei einem erfolgreichen Wurf vom Kanadier aus ist die auf Boot und Pilot einwirkende Zugkraft des Seiles beim Einholen des Schwimmers mit einzukalkulieren.
Bei Kanadier wie Raft muß davon ausgegangen werden, daß sich das ausgeworfene Seil u.U. im Fluß oder am Ufer verhängen kann. Unter keinen Umständen darf daher ein am Boot fixierter Wurfsack ausgeworfen werden.
Vom Ufer aus wird der Wurfsack in der Regel nur dann zum Einsatz kommen, wenn einzelne, schwierige Stellen im Vorfeld der Befahrung abgesichtert wurden, d.h. ein Bergungsteam an dieser Stelle Position bezogen hat. Nur in Ausnahmefällen kann es dazu kommen, daß ein Boot anlandet, um einen vorher über Bord gegangenen Schwimmer zu bergen ( z.B. wenn dieser längere Zeit in einem Rücklauf verbringt). In beiden Fällen ist die Ausgangsposition des Werfers von entscheidender Wichtigkeit: Der Werfer muß nahe genug am Platz des Geschehens sein, um den Schwimmer erreichen zu können ( Vorsicht: man verschätzt sich leicht in der Länge des Wurfsackes). Sein Stand muß ausreichend stabil sein, um den ruckartigen Zug, den ein Schwimmer auf Ihn ausübt, wenn sich das Seil strafft, auffangen zu können. Hierbei empfiehlt es sich, seine Abwurfposition auf Möglichkeiten zur Abstützung mit beiden Beinen zu überprüfen, eventuell kann ein Seil auch um einen Baum gelegt werden.
Der starke Zug am Seil entsteht nicht nur am Seilende des Werfers - der Schwimmer ist der gleichen Kraft ausgesetzt, so daß es ratsam ist, eine Möglichkeit zu schaffen, diesen Ruck für ihn zu dämpfen - der exakteste Wurf nützt nichts, wenn der Schwimmer nicht in der Lage ist, das Seil festzuhalten, sobald es sich spannt. Je nach Entfernung und Seillänge können dazu vor dem Wurf einige Meter des Seil beim Werfer ausgezogen in Reserve bleiben, die später eine Dosierung der Zugkraft durch leichtes Nachlassen des Seiles ermöglichen. Reicht die Seillänge dazu nicht aus, muß sich der Werfer die Möglichkeit schaffen, einige Meter am Ufer entlang zu laufen, um dadurch den Ruck zu entschärfen.
Es macht keinen Sinn, seine Sicherungsposition direkt dort zu suchen, wo man von einer Kenterung ausgehen muß - der potentielle Schwimmer wird erst einige Meter später wieder auftauchen, eventuell ist dann das Seil schon zu kurz. Sinnvoll ist es, die mögliche Auftauchposition des Schwimmers zu überdenken und sich dann einige Meter fkußabwärts zu positionieren. Aber Vorsicht: gleichzeitig muß bedacht werden, wo sich im Erfolgsfall das Seil spannt, respektive der Schwimmer ans Ufer gezogen wird. Sich mit einem 20m Sack fünft Meter vor der Abrißkante eines unfahrbaren Abfalles zu positionieren, macht keinen Sinn. Der Standplatz sollte demanch so ausgewählt werden, daß sich im optimalen Fall auf der Höhe, in der sich das Seil vermutlich straffen wird , auf der Uferseite des Werfers ein ausreichend dimensioniertes Kehrwasser befindet, in das der Schwimmer einpendeln kann.
Eben auftauchend Schwimmer benötigen in aller Regel einige Sekunden, um sich wieder zu orientieren. Daher ist es Ratsam, mit einem wirklich lauten Ruf „Seil“ auf sich aufmerksam zu machen. Vom Wasser aus ist ein wenige Meter entfernt schwimmender Wurfsack oft nicht mehr auszumachen. Im Idealfall trifft des Wurfsack also gleich den Kopf des Schwimmers (merkt jeder !), ansonsten sollte der Schwimmer den Werfer nach Anruf als solchen erkennen. Per Handzeichen oder Zuruf ( „Da isser doch, Mensch ...)“den Schwimmer zum Wurfsack dirigieren zu wollen ist ein fast aussichtloses Unterfangen.
Nicht immer ist ein Schwimmer noch in der Lage, sich aktiv an seiner Bergung zu beteiligen:
Bewußtlosigkeit oder völlige Entkräftung nach Horror-schwimmstrecken oder Verletzungen, mit dem Wurfsack nicht mehr überbrückbare Rückläufe oder die Verklemmung von Schwimmern an Hindernissen mitten im Fluß können es erforderlich machen, daß ein aktiver Retter Hilfe direkt am Standdort des Opfers Hilfe leistet. Die 100%ige Absicherung des Retters ist in diesen Situationen oberstes Gebot, um weitere Notsituationen zu vermeiden.
Insbesondere bei bewußtlosen oder entkräfteten Schwimmern kann es erfoderlich werden, daß sich ein Retter, gesichert durch das Wurfseil eines weiteren Wildwasserfahrersm schwimmend auf den Weg zum Opfer macht. Diese nicht ungefährliche Rettungstechnik kann sinnvoll nur dann funktionieren, wenn der Rettungsschwimmer über eine Rettungsweste mit unter Zug ausklinkbarem Brustgurt verfügt. (vgl. Ausrüstung, Schwimmwesten). Der Brustgurt des Retters wird bei dieser Technik per Karabiner mit dem freien Ende des Wurfsackes verbunden, je nach Strömungsverhältnissen sichern 1-2 weitere Helfer den Rettungsschwimmer dann mit diesem Seil, das in keinem Fall irgendwo fest fixiert werden sollte.
Einsatz und Absicherung des Schwimmers kann vom Raft oder Ufer aus erfolgen, in jedem Fall ist bereits im Vorfeld zu berücksichtigen, daß sich der Retter u.U. aus seinem Seil ausklinken muß - demnach muß durch weitere bereitliegende Wurfsäcke eine zweite Bergemöglichkeit für den RETTER geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund wird ein Einsatz dieser Technik in massiven Rückläufen, aus denen schon das eigentliche Opfer nicht per Wurfsack geborgen werden konnte, zum Hasardspiel, von dem grundsätzlich abzuraten ist.
Vermutlich ertrinken die meisten Wildwassersportler in Strömungsrückläufen hinter Stufen oder Wehren. Die Bergung von Schwimmern in dieser Situation zählt mit zu den schwierigsten Aufgaben im Sicherheitsbereich, weil sie immer mit einem extrem hohen Risiko für den aktiven Retter verbunden ist. Generell sollte in diesem Fall zuerst versucht werden, mit relativ risikoarmen Bergemanövern Hilfe zu leisten. Funktioniert das nicht, kann zu anderen Techniken gegriffen werden.
Als erste Möglichkeit bietet sich demnach natürlich der Wurfsack an - angesichts der meist mehr als desolaten Verfassung des Schwimmers im Rücklauf (es vergeht ja meist einige Zeit, bis die Retter präsent sind) und seiner anzunehmenden völligen Desorientierung sollte in diesen ersten Bergeversuch nicht allzuviel Hoffnung investiert werden. Befindet sich der Schwimmer ausser Reichweite, ist zu überlegen, ob etwas flußauf oder flußab ein Retter ohne große Eigengefährdung den Fluß überqueren kann um vom anderen Ufer aus evt. mit dem Wurfsack Hilfe leisten zu können.
Kriegt der Schwimmer den Wurfsack einmal ins Gesicht und realisiert ihn nicht, kann in der Regel davon ausgegangen werden, daß jetzt andere Techniken zum Einsatz kommen müssen.
Die theoretisch nächste Möglichkeit wäre, ein unbemanntes, angeleintes Boot als „Rettungsinsel“ zum Einsatz zu bringen. Es empfielt sich, dieses Boot nach Möglichkeit von flußab in den Rücklauf hineinzuziehen und es nicht von oben hineintreiben zu lassen - was der Schwimmer aktuell am wenigsten braucht, ist jetzt auch noch von einem 80kg Raft überfahren zu werden.... . Mit etwas Glück läßt sich das Boot in Reichweite des Schwimmer dirigieren - es bleibt zu hoffen, daß er es als solches wahrnimmt, sich daran festhält und aus dem Rücklauf herausgezogen werden kann.
Erst wenn diese Techniken versagen oder deren Anwendung eindeutig sinnlos sein sollten, kann überlegt werden, ob und wie der Einsatz eines bemannten Bootes sinnvoll sein kann.
Diesbezügliche Versuche im Rahmen eines Sicherheitstreffens kommerzieller Raftingcompanies in Tirol am Brunauer Wehr der Ötztaler Ache haben ein anschauliches Beispiel dieser Variante geliefert, an dieser Stelle sei dem mutigen Bruno Striegl ausdrücklich für seinen waghalsigen Einsatz gedankt.
Ausgangssituation war ein im extrem starken Rücklauf des Wehrs befindliches, natürlich gekentertes Raft mit 4 Insassen, die im Rücklauf des Wehr trieben (die Situation wurde mit Puppen nachempfunden, naturgemäß ist in der Praxis hinsichtlich des Auftriebverhaltens von anderen Voraussetzungen auszugehen). Während ein Raft am Ufer direkt neben dem Rücklauf positioniert wurde, überquerte ein Retter den Fluß etwas unterhalb (in diesem Fall an dem über dem Fluß gespannten Stahlseil einer Pegelanlage), wobei er ein ausgezogenes Wurfsackseil von ca. 30m Länge mitführte, dessen anderes Ende am diesseitigen Ufer verblieb. Das nun über den Fluß gespannte Seil wurde an beiden Ufern bis zum Rücklauf hochgezogen, sein eines Ende wurde am Raft befestigt. Am anderen Ende des Raftys wurde ein weiterer Wurfsack befestigt, so daß nun das Boot im Rücklauf quer über den Fluß gezogen werden konnte. Anschließend wurde das Boot mit einem weiteren, wiederum angeleinten Retter (Bruno Striegl!) besetzt, der nun mitsamt Boot zum Schwimmer gezogen wurde und diesen bergen konnte.
Mehrere Faktoren waren in dieser Situation neben dem hohen Einsatz der Rettungsmannschaft für den Erfolg der Aktion verantwortlich: Zum einen die konkrete Form des Rücklaufes, der knapp vor dem Wasservorhang des herabstürzenden Wassers eine minimale Widerwelle entstehen ließ und so verhinderte, daß die Wassermassen auf den Längswulst trafen und das Boot zum kentern brachten. Zum anderen die (im Regelfall eher seltene) Möglichkeit, den Fluß trockenen Fußes relativ einfach zu überqueren und zuletzt eine Unmenge an Rettungsmaterial: Allein 3-4 Wurfsäck waren zum Aufbau der Rettungsstation erforderlich, eigentlich sind nochmals zwei weitere nötig, um die Situation weiter flußabwärts abzusichern. Darüber hinaus werden mindesten 4 versierte Helfer benötigt, um den Sicherungsstand aufzubauen. Von der Kenterung bis zur Bergung vergehen so mindestens 10, realistisch eher 15 -20 Minuten., so daß mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer anschließenden Reanimation des/der Schwimmer ausgegangen werden muß.
Erheblich einfacher gestaltet sich die eben beschriebene Bergungsvariante, wenn ein Safetyboater mit dem Kajak bereit steht. Das Kajak bzw. der Kajakfahrer kann vom Ufer aus mit dem Seil gesichert werden, und er kann versuchen, in Reichweite des Opfers zu gelangen. Eine weitere Variante dieser Technik ist die Bergung mit zwei Kajaks bzw. einem Kajak und einem Raft, wobei hierbei die Sicherung von dem zweiten, unterhalb des Rücklaufes befindlichen Boot aus erfolgt, das im Zweifellsfall un im Unterscheid zu der Sicherung vom Ufer aus, den Retter in exakt flußabwärtiger Richtung aus dem Rücklauf herausziehen kann.
Alle diese Varianten sind mit extrem hohen Risiken für die Bergungsmannschaft verbunden, sollten wirklich erst ganz zuletzt in Erwägung gezogen werden und müssen dann so treffsicher wie möglich auf die aktuelle Situation abgestimmt werden. Jeder Retter muß sich in diesen Situationen bewußt sein, daß er sich in eine möglicherweise lebensbedrohliche Situation begibt.
Ähnlich schwierig gestaltet sich die Bergung verklemmter Schwimmer, die sich an Steinen, Bäumen oder anderen Hindernissen verfangen haben. Fast immer ist es extrem schwierig, das Opfer überhaupt zu erreichen - nur selten ereignen sich diese Unfälle unmittelbar am leicht begehbarem Ufer. Meistens entstehen diese Situationen in Siphonen, also an von der Strömung unterflossenen Steien und Felsen, durch Fußklemmer des Schwimmers am Flußbett (deswegen beim Schwimmen immer die Fußspitzen aus dem Wasser !), oder durch das Verhängen in Bäumen (vorzugsweise mit dem Schultergurt der Schwimmweste).
Fast immer wird es demnach nötig, sich per Boot zum Verklemmten zu begeben - eine Aufgabe, die u.U. nur durch eine Aufteilung der Retter auf beide Ufer zu erfüllen ist. Ähnlich wie oben bei der Rücklaufbergung beschrieben kann ein Boot an zwei Seilen unmittelbar ober- oder unterhalb des Opfers im Fluß positioniert werden. Allerdings sollten in diesem Fall die Seilenden am gleichen Ende des Boote befestigt werden, um den angreifenden Strömungsdruck zu reduzieren.
Je nach Strömungsintensität und Situation ist dabei die Dehnung des Seiles unter Last sowohl was die Position der Retter an Land, als auch was die Lage des Verklemmten angeht zu beachten. Ein unterhalb des verklemmten positioniertes Boot nützt so gut wie nichts, wenn eine Befreiung bzw. Entklemmung nur nach oben möglich ist ! Je nach Strömungsgeschwindigkeit muß in Betracht gezogen werden, die Fixierungsseile evt. fest bzw. über Flaschenzüge zu verankern.
Ist das Bergeteam in Reichweite des Verklemmten angelangt, muß zuerst die Lage des Opfers analysiert werden:“ Kriegt er überhaupt noch Luft ? Kann sich die Situation noch weiter verschlimmern (z.B. er noch weiter in den Syphon hineinrutschen)?“ sollten dementsprechend die ersten Fragen lauten, mit denen sich die Retter beschäftigen. Eventuell kann es lebensrettend sein, den Kopf des Opfers nach Möglichkeit zu unterstützen oder ihm sofort ein Seil zuzuwerfen, um eine weitere Eskalation der Situation zu vermeiden. Die Befreiung des Opfers an sich ist natürlich eine situativ zu entscheidende Angelegenheit, den Rettern sei hier nur die Erinnerung an das unvermeidliche Messer mit auf den Weg gegeben, daß u.U. diese Situation recht problemlos entschärfen kann.
Der sichere Umgang mit dem Seil ist keine zwingende Voraussetzung, um Wildwasserfahrten zu unternehmen. Solange die Tour läuft wie geplant, reichen die üblichen, einfachen Knoten, die man ohnehin fast nur zum festbinden der Boote am Ufer, auf dem Hänger oder Autodach benötigt. Sinnvoll wird eine gewisse Übung im Umgang mit dem Seil, wenn es zu Bergeaktionen kommt, wenn man gezwungen wird, aus steilen Schluchten auszusteigen oder wenn verklemmte Boote geborgen werden müssen.
Für den privaten Gelegenheitsrafter, der sich nur auf überschaubaren Wildflüssen im einfachen Schwierigkeitsgrad bewegt, gehören Seiltechniken zur Kür - für den kommerziellen Guide gehören sind sie Pflicht, um auf eventuelle Notsituationen entsprechend reagieren zu können.
An unwegsamen Ein- und Ausstiegen, an unerwarteten Umtragestellen oder bei Rettungsaktionen kann es immer wieder nötig werden, sich mit einfachsten Hilfsmitteln an- oder aufzuseilen. Häufig steht zumindest eine Gurtweste als Ersatz für den Klettergurt zur Eigensicherung zur Verfügung, manchmal muß auch darauf verzichtet werden. Ohne Seil, respektive ohne Wurfsack geht natürlich nichts, und auch deswegen sollte ein Wurfsack bei wirklich jeder Befahrung mit an Bord sein.
Das Wurfsackseil sollte unter keinen Umständen mit einem Kletterseil verwechselt werden: Es bietet nicht annähernd eine vergleichbare abreißfestigkeit wie ein kletterseil und eignet sich demnach nicht für Klettertouren im Vorstieg, bei denen von Stürzen ins Seil ausgegangen werden muß. (vgl auch Ausrüstung/Wurfsack).. Generell müssen bei allen Ab- und Aufseiltechniken Schraubkarabiner eingesetzt werden, um ein unbeabsichtigtes Öffnen von vorneherein auszuschließen. Bezüglich der Stabilität von Brustgruten an Rettungswesten, deren Verschlüsse und der Abreißfestigkeit von Wurfsackseilen sind in jedem Fall Herstellerangaben einzuholen und zu beachten. Jedes dieser Ausrüstungsteile unterliegt einem gewissen Verschleiß, daß es u.U. zum Einsatz beim Ab- und Aufseilen ungeeignet machen kann, ohne daß dies äusserlich erkennbar wäre.
Der einfachste Weg des Abseilens mit Klettergurt und Abseilacht wird nachfolgend wegen des geringen Praxisbezugs (wer hat schon immer einen Kletttergurt dabei ?)zum Wildwassersport natürlich nicht beschrieben.
Der Dülfersitz ist die meist schmerzhafte, an sich wenig zeitgemäße aber leider einzige Methode, sich ohne weitere Hilfsmittel einigermaßen sicher abzuseilen. Die Bremswirkung des Dülfersitzes beruht ausschließlich auf der Reibung des um den Körper geschlungenen Seiles und der Handhaltekraft des Abseilenden. Der Dülfersitz kann in zwei verscheidenen Varianten zur Anwendungen kommen. Bei der klassischen Variante wird das fixierte Doppelseil von vornae zwischen den Beinen durchgeführt, wird dann hinter dem Rücken hochgezogen und dann nach vorne über die rechte Schulter gelegt.
Das freie Seilende wird in der Achsel verklemmt, so daß es dort dosiert nachgelassen werden kann. Beide Hände befinden sich am von oben kommenden Seil, an dem sich der hoffentlich schmerzfreie Abseilende dann hinunterläßt.
Bei der etwas hautfreundlicheren Ausführung wird das von oben kommende, fixierte Doppelseil ebenfalls zwischen den Beinen geführt, dann läufte es jedoch wieder von vorne über die linke Schulter und wird hinter dem Rücken nach unten geführt, so daß die rechte Hand das Seilende auf Hüfthöhe etwas vor dem Körper fixiert. Die rechte Hand läßt dosiert Seil nach, die linke Hande befindet sich vor dem Körper am von oben kommenden Seil und stabilisiert den Körper bzw. entlastet den Oberschenkel.
Beide Techniken eignen sich kaum bzw. gar nicht zum völlig freien Abseilen z.B. an senkrechten oder überhängenden Wänden. Der Dülfersitz geht zurück auf Hans Dülfer (1892-1915), einen der frühen und bekanntesten Pioniere der Felskletterei.( Der übrigens nicht beim Abseilen, sondern im 1. Weltkrieg ums Leben kam).
Möglich am Einfach- wie am Doppelseil. Vor dem Beginn muß die Weste soweit zusätzlich am Körper fixiert werden, daß der Abseilende nicht nach unten aus der am Seil fixierten Weste herausrutschen kann. Hierzu wird die Flipleine auf dem Rücken durch den Brustgurt gezogen, zwischen den Beinen durchgeführt, vorne wieder durch den Brustgurt gezogen und anschließend mit einem Bandschlingenknoten zur Schlinge geknüpft. Der Karabiner wird vor dem Körper am eng geschlossenen Brustgurt und der Flipleine eingehakt, das Seil mit einem Halbmastwurf durch den Karabiner geführt. Anschließend fixiert die Aktivhand das freie Seil auf Hüfthöhe, möglichst im Lendenwirbelbereich. Grundsätzlich sollte vor dem eigentlichen Abseilen geprüft werden, wie hoch die erforderliche Handhaltekraft ist und ob sie akzeptabekl erscheint bzw. ob beim Doppelseil die Reibung über den Halbmastwurf nicht so hoch wird, daß sich gar nichts mehr tut. Generell sollte sich beim Abseilen der Oberkörper in fast aufrechter Position befinden und die Hüfte soweit einknicken, daß sich beide Beine etwa im 60° Winkel zur Wand befinden. Die Beine sollten etwa Schulterbreit gegrätscht in der Wand stehen.
Mit etwa 3,5 m stabilen Seils oder Gurtband läßt sich ohne großen Aufwand ein einfacher, aber sicherer Hüftgurt konstruieren. Hierbei wird das Seil mit einem Banschlingenknoten zur Schlaufe geknüpft. Diese Schlaufe wird von hinten über die Hüfte gelegt, anschließend wird ein Seil der Schlaufe zwischen den Beinen nach vorne durchgezogen so daß sich nun vor dem Körper drei Schlingen treffen: eine von links, eine von rechts, und eine, die zwischen den Beinen durchgezogen wurde. Diese drei Schlingen werden nun per Karabiner miteinander verbunden, im Karabiner wird dann wie unter 2) das Seil eingezogen.
Naturgemäß ist das Aufseilen die erhablich problematischere Übung als das Abseilen - je nach Höhe muß das eigene Gewicht über viele Meter zum Teil senkrecht nach oben bewegt werden. Möglich wird dies erst durch den Einsatz zweier und die Sicherung des Körpers mit Gurtzeug.
Die Prusikschlingen sollten von Ihrer Länge her so abgestimmt werden, daß die eine den „Klettergurt“ direkt auf Höhe des Fixierungspunktes ( bei der Gurtweste der Brustgurt). direkt mit dem Seil verbindet.Die andere dient als Fußschlinge, sollte oberhallb der Gurtschlinge im Seil fixiert sein und so lang geschnitten werden, daß sich das untere Ende dann etwas über Kniehöhe befindet, wenn das obere Ende am Seil soweit wie möglich nach oben geschoben wurde.
Sobald beide Prusikschlingen entsprechend positioniert sind, setzt sich der Aufseilende in den Gurt, der sich unter Zug durch den Prusikknoten am Seil fixiert. Die andere Schlinge wird am Seil soweit wie ,möglich nach oben geschoben, dann steigt der Fuß in das untere Ende der Schlinge, so daß sich der Körper nun in der Schlinge hochstemmen kann. Steht der Kletter aufrecht in der Fußschlinge, kann das nun entlastete Seil unterhalb seiner Aufhängung durch die gurtschlinge straff gezogen werden. Der Aufsteiger setzt sich in seinen Gurt, und das Spiel beginnt von neuem...
Verklemmt sich ein Boot vor bzw. an Hindernissen, wird es in aller Regel von einem ungeheuer starken Wasserdruck ans Hindernis gepreßt. Fast immer läßt sich in diesen Situationen mit reiner Armkraft kaum noch etwas bewegen. Der am Boot angreifende Druck bewegt sich in aller Regel im Tonnenbereich. Nur der trickreiche Einsatz von Seil und Flaschenzug bietet in diesen Situationen noch einen gangbaren Ausweg, bevor das Boot aufgegeben oder die Wülste geöffnet werden müssen, um die Angriffsfläche des Wassers zu verringern.
Flaschenzüge mit Karabinerhaken oder Seilschlingen zur Umlenkung bauen zu wollen, kann man sich in aller Regel sparen: die entstehenden Reibungswiederstände sind so groß, daß sie alle mechanischen Vorteile des Flaschenzuges zunichte machen und die erforderliche Armkraft hinterher größer wäre als Beim Einsatz eines einfachen Seiles.
Umlenkrollen sind also unbedingt erforderlich, um einen anständigen Flaschenzug zu konstruieren, wobei auch hier starke Qualitätsunterscheide zu verzeichnen sind. Die preiswerten Umlenkrollen mit Kunststoffrolle weisen unter Zug meist ebenfalls eine relativ hohe Reibung auf, zudem sind sie den im Flaschenzug auftretenden Kräften nur bedingt gewachsen: oft genug zerbröseln sie einfach. Gut (und teuer) sind Ganzmetallkonstruktionen, deren Rolle kugel- bzw. nadelgelagert läuft und hohen Kräften problemlos standhält.
In gut aufgebauten Flaschenzügen können Zugkräfte von mehreren hundert Kilo anfallen. Diesen Kräften muß nicht nur das eingesetzte Zugseil, sondern auch evt. eingesetzte Prusikschlingen und der Fixierungspunkt am Boot standhalten.
Ältere Wurfsackseile sind damit schnell überfordert, das gleiche gilt für aus Reepschnur geknüpfte Prusikschlingen - ein weitere Grund, dieses Material permanent zu überprüfen und ggf. sofort auszutauschen. Ersatzweise eigene sich für die Prusikschlingen anstatt der gerne verwendeten Reepschnur auch wesentlich belastbarere Bandschlingen, die allerdings i.d.R. jedoch eine geringere Reibung am Zugseil bieten und deswegen im Prusikknoten dementsprechend öfter gelegt werden müssen.
Meist kann das Zugseil zur Bergung nur an D-Ringen befestigt werden - ein weitere Schwachpunkt in der Flaschenzugkonsturktion. Es empfiehlt sich demnach, mehrere D-Ringe mittels einer Bandschlinge zu verbinden, so daß die angreifenden Zugkräfte auf mehrere Fixierungspunkte verteilt werden. Sollten auch mehrere D-Ringe dem Zug nicht standhalten kann im letzten Versuch der Verbindungsbereich zwischen Boden und aussenwuklst geöffnet und das Zugseil bzw. eine Banschlinge direkt um den Wulst gelegt werden. Bei Booten mit eingebundenen Booten bitet sich diese Variante von Haus aus an.
Der Flaschenzug basiert meschanisch auf der Verteilung einer Kraft auf verschiedene Richtungen bzw. verschiedene Aufhängungen. In der einfachsten Variante wird ein Ende des Seils am Ufer fixiert und das andere Ende durch eine am Boot befestigte Umlenkrolle gezogen. An diesem freien Ende wird dann gezogen, der Effekt ist eine theoretische (ohne Reibung) Verdoppelung der am Boot angreifenden Zugkraft einerseit, andererseits auch eine Verdoppelung der zu bewältigenden Entfernung. Holt man also mit 100kg Zugkraft 1 Meter Seil ein, Wird das Boot mit theoretisch 200kg Kraft nur (tatsächliche) 50cm weit bewegt. Mit aufwendigeren, nachfolgend im Bild dargestellten Konstruktionen, läßt sich theoretisch eine fast beliebige Vervielfachung dieser zugkraft am Boot erreichen - die enorm hohe anfallende Reibung sowie der hohe Materialaufwand setzen dem endlosen Ausbau der Flaschenzugkonstruktion jedoch meist ein schnelles Ende.
Mindestens genauso wichtig wie der richtige Aufbau des Flaschenzuges ist die Auswahl der passenden Zugrichtung. Wie immer im Wildwasser gilt auch hier: Gegen die Strömung geht fast nichts; Ein Boot direkt gegen die Strömung flußaufwärts von einem Hindernis wegzerren zu wollen, kann kaum funktionieren. Vielmehr muß das Boot am Stein entlang bzw. daran vorbei gezogen werden, wobei dem Flaschenzug die kraftaufwendigste Aufgabe, nämlich das Aufrichten der der Zugrichtung gegenüberliegenden Bootsspitze zukommt.
Darüber hinaus sollte mit einer Bugleine, die an der in die Zugrichtung weisenden Bootsspitze befestigt wird, Zug ausgeübt werden. Gleichzeitig kann vom Hindernis aus versucht werden, den abgetauchten Wulst des Bootes wieder nach oben zu ziehen, um so den angreifenden Druck zu vermindern.
Geht nach mehreren Versuchen immer noch nichts und ist zweifellsfrei klar, daß sich keine Motorwinde in der Nähe befindet, beginnt der unangenehmste Teil der Bergung: Durch öffnen einzelner Segmente des Aussenwulstes kann jetzt versucht werden, den am Boot angreifenden Druck zu vermindern. Im Idealfall geschieht dies durch das Öffnen der Ventile - leider Gottes sind die meist soweit unter Wasser, daß einfach kein Hinkommen ist. Natürlich empfielht es sich angesichts aufwendiger Reparaturen bzw. hoher Preise für Ersatzboote , jetzt sofort das (hoffentlich) scharfgezackte Raftingmesser diagonal über Längs- und Quernähte des Wulstes zu ziehen. Der Wulst steht bei Krawatten meistens unter so hohem Druck, daß bereits eine minimale Verletzung der Aussenhaut ausreicht, um das Boot regelrecht explodieren zu lassen. Die Folgen sind meterlange Schlitze in der Aussenhaut, die am Ende eines Wulssegmentes nicht haltmachen müssen und meistens auch die Schoten in Mitleidenschaft ziehen.
Nach Möglichkeit sollte versucht werden, mit dem Messer durch einen Beschlag (z.B. D-Ring) hindurch den Wulst an einer von Haus aus Reparaturfreundlichen Stelle zu öffnen. Mit etwas Glück verhindert die stabile Verklebung des Beschlages ein Weiterreißen der Aussenhaut.
Unter Umständen kann es ausreichend sein, je nach Möglichkeit den unter der Wasseroberfläche liegenden, (meisten luftkammerfreien) Verbindungsbereich zwischen Aussenwulst und Boden zu durchtrennen und so ein Durchströmen des Wassers zu ermöglichen, was wiederum den angreifenden Druck reduzieren kann.
Nur eine zutreffende Einschätzung möglicher Gefahren ermöglicht es dem Wildwasserfahrer, sich in sicherheitstechnischer Hinsicht angemessen zu verhalten. Generell wird hier zwischen objektiven, also durch die äussere Situation bedingten, und subjektiven, durch die eigene Person verursachten Gefahrenmomenten unterschieden.
Die Diskrepanz zwischen dem eigenen wildwasserspezifischen Können und den tatsächlichen Anforderungen eines Flußabschnittes zählt sicherlich zu den häufigsten Unfallursachen - Selbstüberschätzung ist einer der subjektiven Risikofaktoren Nummer eins im Wildwasser. Zu einer zutreffenden Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zu gelangen ist aus verschiedenen Gründen nicht einfach : Die Schwierigkeitangaben verschiedener Flußführer variieren bei identischen Flußabschnitten extrem so stark, daß ein bereits vermeintlich befahrener Abschnitt WW IV in der Wertung eines anderen Flußführers ( aus dem evt. Informationen zur nächsten geplanten Tour bezogen werden) möglicherweise nur WW II-III wäre. Auch der Vergleich eigener Fähigkeiten mit anderen Paddlern, die den geplanten Flußabschnitt angeblich bereits befahren haben, kann aus auf der Hand liegenden Gründen problematisch sein. Wildwasserfahrer neigen häufig nicht unbedingt zur Bescheidenheit, wenn es um ihre Fahrkünste geht. Mißtrauen und Vorsicht ist angebracht, wenn es darum geht, auf dieser Basis eine Entscheidung für oder wider einer geplanten Befahrung zu treffen.
Unter keinen umständen sollten Warnungen anderer Paddler ( das könnte für Dich problematisch werden) in den Wind geschlagen werden, genauso wie eine zu schnelle Annäherung an mittlere und hohe Schwierigkeiten unterbleiben sollte. Wer einmal mehr recht als schlecht eine IIIer Stelle geschafft hat, kann zwar mit viel Glück durchaus auch einen langen IIIer Streckenabschnitt überstehen. Sicher ist das allerdings nicht, und das Risko harter (und gefährlicher) Schwimmaktionen sollte bei so gearteten Selbstversuchen nicht ausser acht gelassen werden.
Auch die eigene Kondition bzw. die aktuelle Tagesform spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Untrainiert, krank, übermüdet oder verkatert auf den Bach zu gehen ist nur selten eine gute Idee und kann ausgesprochen unerfreuliche Situationen bedingen.
Jeder Mensch ist eitel. Niemand gibt gerne zu, daß er etwas schlechter kann als andere oder, noch schlimmer, daß er Angst hat. Diese Form der Eitelkeit kann im Wildwassersport tödliche Folgen haben, und keine noch so schöne mögliche Lagerfeuergeschichte rechtfertigt einen eventuell schweren Unfall. Besonders bei heiklen Stellen, die vorab besichtigt werden und evt. umtragen werden könnten, grassiert unter Bootfahrern gerne die Profilneurose. Man sollte versuchen, sich erstens selbst davon frei zu machen, und zweitens unter allen Umständen vermeiden, andere Fahrer in dieser Lage unter Zugzwang zu stellen. Auf dem (kommerziellen) Raft ist es oftmals noch schwerer, sich nicht zu riskanten Manövern hinreißen zu lassen. Zahlende Raftingkunden sind in ihrer Merhzahl Wildwasserlaien, die keine Möglichkeit haben, Risiken einzuschätzen, andererseits aber gerne auf der „maximalen Action“ bestehen. Sprüche wie „ Traut sich unser Guide wohl nicht“ oder „ Was ist das für eine Kaffeefahrt“ sind keine Ausnahme. Fast jeder Guide legt zurecht hohen Wert darauf, seine Teilnehmer zufrieden zustellen und ihnen ein unvergessliches Erlebnis zu vermitteln. Er muß für sich selbst Wege finden, dies in einem risikofreien Rahmen gewährleisten zu können. Sich von Kunden zu halsbrecherischen Manövern povozieren zu lassen, kann hier keine Lösung sein. Entertainment durch gelungene Unterhaltung, Spiele auf dem eigenen oder mit anderen Booten und die persönliche Souveränität des Guides müssen bereits im Vorfeld dafür sorgen, daß es zu solchen Provokationen überhaupt erst gar nicht kommt.
Angst ist ein menschlicher Schutzmechanisumus. In Ihrer Idealdosierung sorgt sie für maximale Konzentration, blitzschnelle Reaktion, hohen Kraftumsatz und im Erfolgsfall für eine rauschartige Überschwemmung des Gehirns mit körpereigenen Drogen. So gesehen ist Angst genau das, was ein Wildwasserfahrer am meisten braucht.
Angst kann aber auch unbrauchbare Formen annehmen: Sie kann panikartige Zustände verursachen, die die Wahrnehmung beeinträchtigen und Kopf wie Körper völlig lähmen. In dieser Verfassung Wildflüsse zu befahren, kann eigentlich nur daneben gehen.
Oft genug geht die panische Angst vor einer schwierigen Befahrung Hand in Hand mit der Angst, sein Gesicht zu verlieren oder sich zu blamieren - eine Kombination, die wahrlich keine Freude macht, weil sie dem Wildwasserfahrer jede mögliche Verhaltensalternative unerträglich erscheinen läßt.
In welchem Bereich sich die eigenen Angstzustände bewegen, kann nur der Sportler selbst beurteilen. Indizien wie Händezittern, Schweißausbrüche oder aufeinanderschlagende Zahnreihen deuten meistens auf bereits vorhandene oder absehbare Pnikattacken hin - in diesem Fall sollte es heißen: Finger weg vom Paddel! Auch im Zweifellsfall Fall sollte man lieber sein Boot wieder aufladen und die nächstgelegene Kneipe ansteuern; Vielleicht sieht am nächsten Tag ( oder Fluß) alles wieder ganz anders aus.
Wildwasserfahren wird heute erheblich schneller erlernt und vermittelt als noch vor 15 Jahren.
Hochwertiges Material, durchdachte Schulungskonzepte und letztendendes auch erheblich bessere Trainingsmöglichkeiten haben eine Generation von Wildwassersportlern heranwachsen lassen, deren technisches Können ihre Befahrungsroutine erheblich übersteigt. Wildwasserfahren in jeder Form ist im Laufe der letzten Jahre ein wesentlich körperorientierterer Sport geworden, dessen Hauptaugenmerk jetzt auf der Perfektionierung technischer Manöver und nicht mehr in der optimal sensibilisierten Wahrnehmung für möglicherweise gefährliche Situationen liegt.
Auch die zutreffende Einschätzung obejektiver Risikofaktoren ist eine Fähigkeit, die erlernt bzw. trainiert werden kann und muß. Sie kann sinnvoll nicht auf immer den gleichen zwei Flußabschnitten geübt werden - viele Touren auf vielen unterschiedlichen Wildflüssen mit unterschiedlichem Charakter sind erforderlich, um sich diese Fähigkeit soweit anzueignen, daß sie zum Mitgarant eines risikominimierten Fahrstiles werden kann.
Bei kommerziellen Touren ist das nur schwer abzuschätzende Verhalten Deiner zahlenden Teilnehmer einer der problematischsten Punkte: Trotz gewissenhafter Vorbereitung durch einen perfekten Safetytalk und entsprechend umfangreiches praktisches Training auf dem Bach kann sich niemand ernsthaft wirklich darauf verlassen wollen, daß die Teilnehmer in jeder Situation richtig reagieren: Möglicherweise werden Kommandos überhört, falsch verstanden oder ignoriert, vielleicht wird dem Halt in den Fußschlaufen nicht der entsprechende Stellenwert eingeräumt, vielleicht versagen die Nerven oder die Kondition. Urplötzlich entstehen so Situationen, mit denen vorher beim besten Willen nicht zu rechnen war und die sich in rasanter Geschwindigkeit weiter verschärfen können.
Unterwegs als professioneller Guide sollte man daher das „Funktionieren“ der Mannschaft zwar als erstrebenswerten Idealzustand verstehen, unter gar keinen Umständen aber davon ausgehen, daß man diese Gruppe potentieller Risikofaktoren tatsächlich in der Hand hätte.
Bereits einmal den Wurfsack, die Umlenkrolle, das Messer oder die Flipleine zu vergessen oder mit einer angejahrten Schwimmweste mit angemodertem Gurtzeug auf den Bach zu gehen, kann tödliche Folgen haben. Auch vor dem Hintergrund der hohen Verantwortung gegenüber den eigenen Kameraden muß die Ausrüstung regelmäßig geprüft, gewartet und immer vollständig mitgeführt werden.
Wo immer der Mensch am Fluß Hand anlegt, zerstört er. Nicht nur in ökologischer Hinsicht, sondern auch aus dem Blickwinkel des Wildwasserfahrers betrachtet. Die durch Staudämme trockengelegten Gebirgstäler, durch die sich mühsam noch eine „Restdurchflußmenge“ schiebt sind längst Legion. Ausser schubartigen Haßattaken, die mit ungesundem Bluthochdruck und eventuell unüberlegten terroristischen Racheakten (und dementsprechende mehrjährigen Haftstrafen) Hand in Hand gehen können, droht dem Wildwasserfahrer hier freilich keine Gefahr.
Anders präsentiert sich die Lage überall dort, wo aus Gründen der Fluß- bzw. Gefällregulierung, zur Stromgewinnung oder zum Straßenbau in noch befahrbare Wildflüsse Wehre, Stufen oder Stahl-/Betonpfeiler eingebaut werden. Nur auf eines kann man sich diesbezüglich verlassen: Ein Studium des Bauingenieurs- oder Flußbauingenieurswesens beinhaltet kein Semester: „Wie kommt man hinterher mit dem Gummiboot lebend an der Geschichte vorbei ?“ Tatsächlich scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein.
Meterlange, ebenso tückische wie unüberwindbare Rückläufe hinter Wehren und Stufen, schlagartig durch meterhohe Betonwände eingefaßte Zufahrten ohne Kerhwasser auf ebendten in der Hauptströmung stehende Stahlträger unter Brücken oder Bäche, die unvermittelt hinter einer Kurve in einem Betonrohr verschwinden - all das ist mittlerweile leider eher die Regel als die Ausnahme.
Generell muß also gelten: Wo immer der Verdacht auf vormalige oder aktuelle Bautätigkeit besteht, überall dort, wo Wehre eingebaut wurden ist unabhängig vom ersten Blick ( auch eine 30cm-Stufe hat schon 6 Raftern das Leben gekostet, Engadin, 1993) maximale Vorsicht angebracht.
Umtragen sollte hier als Akt der Vernunft betrachtet werden. Nicht umsonst werden künstliche Wehre ausdrücklich aus der Schwierigkeitsbewertung im Wildwasser ausgenommen.
Oft genug sucht sich die Strömung ihren Weg abseits der Wasseroberfläche. Prallwände werden im Laufe der Jahre genauso immer weiter unterspült wie frei in der Strömung stehende Felsen, so daß Bootfahrer oder Schwimmer hier rasch in die Situationm kommen können, unter das Hindernis gezogen zu werden. Siphone entstehen besonders gerne in Passagen, die eben erst durch einen frischen Bergrutsch entstanden sind und wo große Felsbrocken noch lose geschichtet im Flußbett lagern.
Erfahrungsgemäß sammelt sich in Unterspülungen und Siphonen nicht nur der eine oder andere Paddler, meistens lagert hier auch eine Menge ehemaligen Treibgutes wie Äste, Bäume usw, die geradezu prädestiniert sind, sich in tauchenden Bootfahrern zu verhängen. Grundsätzlich sollten als solche erkannte Prallwände und Siphone (auf Vorwelle/Prallwasser achten!) so weiträumig wie möglich umfahren werden.
Fast jede Strömungsform kann bei entsprechender Ausprägung bzw. bei nicht ausreichendem Fahrkönnen zur echten Gefahr für den Paddler werden. Mehr dazu im Bereich Strömungslehre.
Ob Bäume nun senkrecht oder waagrecht in der Strömung stehen oder liegen, ob sie vom Ufer aus in den Fluß ragen oder sich nach einer Baumfällung meterhoch und Stamm über Stamm vor dem Paddler auftürmen: Bäume sind fast immer gefährlich.Die Strömung um-, unter- und überströmt dieses Hindernis, und der unachtsame Paddler wird u.U. mit oder ohne Boot gnadenlos daruntergezogen, darumgewickelt oder verheddert. Kein Bach (von Ausnahmen in der marokkanischen Wüste vielleicht einmal abgesehen) ist zuverlässig baumfrei. Erdrutsche, starke Regenfälle oder Baumfällorgien einheimischer Axtschwinger machen es möglich, daß auf einem vormittags schon einmal befahrenen Abschnitt nachmittags in der Kernstelle plötzlich ein Baum knapp über Wasserlinie von Ufer zu Ufer liegt. Endstation!
Die Holzlage muß also immer, auch auf relativ einfachen Bächen in Betracht gezogen werden.
Hochwassersituationen können aus den einfachsten Flüßchen plötzlich reißende Vernichtungsmaschinerien machen, deren Befahrung dann ernstahft niemeand mehr in Betracht ziehen kann. Heimtückisch: Oftmals befindet sich der Einstige in einem relativ offenen, weiten Talbereich, wo der Wassermenge soviel Expansionsraum zur Verfügung steht, daß die Wasserstandssituation als nicht bedrohlich wahrgenommen wird. Zwei Kurven später, in der dann nur noch meterbreiten Klamm, dämmert es einem plötzlich: Brutalo-Hochwasser, keine Kehrwasser mehr vorhanden, und etwas flußab müßte die auch bei wenig Wasser schon extrem schwierige Zwangspassage auftauchen. Ach du Sch.... !
Der Wasserstandssituation sollte also allerhöchste Aufmerksamkeit gezollt werden, um so mehr, wenn man das erste Mal auf unbekannten Gewässern unterwegs ist. Flußführer bieten meistens Informationen darüber, wo Pegel zu finden sind und auf welchen Pegelstand sich die Beschreibung des jeweiligen Flusses bezieht. Vorsicht ist allerdings auch hier angebracht: Pegel werden ab und zu geändert und manchmal völlig demontiert, sogenannte „Hilfspegel“ ( „wenn die Kiesbank am Einstieg leicht überspült ist...“) können sich naturgemäß im Laufe der Zeit verändern.
Faktoren, die untrüglich auf Hochwassersituationen hinweisen, sind die Wasserfärbung (milchiggrau bis Dunkelbraun), die Vegetationslinie ( Vorsicht, wenn das Wasser schon beginnt, durch die Bäume zu laufen), die Wellenform ( lang, glatt und hoch). Sind diese Faktoren klar erkennbar, ist in jedem Fall allerhöchste Vorsicht angebracht.
Hochwasser entstehen nicht zwangsläufig im Verlauf mehrerer Tage - unter Umständen reicht ein zweistündiger, kräftiger Regenschauer, um den Pegel auf Höchsform zu bringen. Wenn im Verlauf einer Befahrung der Pegel drastische anzuschwellen beginnt, ist ein Befahrungsabbruch immer in Erwägung zu ziehen.
Gewitter auf dem Fluß nötigen einen ebenfalls zum Abbruch oder zumindest zur Unterbrechung einer Tour: beginnt es in der Nähe zu blitzen ( alte Regel: Zeitabstand zwischen Blitz und Donner in Sekunden geteilt durch drei = Entfernung des Gewitters in KM) muß man runter vom Bach. Generell sollte dan vom Unterstellen unter Bäumen abgesehen werden. Sinnvol ist es, sich auf reltaiv freiem Feld auf dem Boden zusammenzukauern, wobei zwischen den einzelnen Mannschaftsmitgliedern ein gehöriger Abstand eingehalten werden sollte. Befindet sich in der Nähe eine bewohntes Gebäude, sollte man nicht zögern, dort um Unterschlupf zu bitten. Scheunen, die i.d.R. nicht über Blitzableiter verfügen, sind hier kaum zu empfehlen.
Was auf einem Fluß, der direkt neben einer Straße durch dicht besiedeltes Genbiet führt eine risikoseits durchaus vertretbare Angelegenheit ist, kann auf langen Touren durch Niemandsland zum Hasardstück werden - schon ein Armbruch oder eine ausgekugelte Schulter (von schlimmerem ganz zu schweigen) kann die Gruppe hier vor unlösbare Probleme stellen und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Je ausgesetzter die Situation der Paddler diesbezüglich ist, desto mehr fahrerische Reserve muß sich der Paddler also zurückbehalten, desto weniger nah darf er an seine fahrerischen Grenzen gehen.
Zu wenig ist schlecht, zuviel auch ! Generell bietet das Paddeln in der Gruppe Sicherheit: Hilfe kann schneller und einfacher geleistet werden, wenn mehr Personen beteiligt sind. Ganz alleine zu Paddeln verbietet sich aus Sicherheitsgründen ohnehin, Als minimale Gruppengröße gelten zwei Personen bzw. zwei Boote.
Sind zuviele Personen gemeinsam unterwegs, besteht die Gefahr, daß die Situation schnell unübersichtlich wird und sich bei schlecht koordinierten Hilfseinsätzen eventuell unbemerkt weit schlimmere Unfälle ereignen können.
Mehr als vier Boote sollte eine Gruppe von Schlauchkanadiern oder Rafts nach Möglichkeit nicht umfassen.
Obwohl die Einweisung zu Beginn einer gemeinsamen Tour ein Produkt des kommerziellen Raftings ( und dort unverzichtbar ) sind, ist jeder Paddler gut beraten, sich vor Beginn einer Tour mit seinen Partnern auf verschiedene Handlungsgrundsätze zu verständigen. Der Einfachheit halber nachfolgend eine klassische kommerzielle Einweisung, in der Punkte, die auch private Paddler vor der Tour besprechen sollten hinterlegt sind.
Für den kommerziellen Guide ist das Einweisungsgesrpäch in dreifacher Hinsicht von hoher Wichtigkeit. Erstens prägt er hier das Verhältnis zwischen seienen Teilnehmern und sich selbt - wie schnell und zuverlässig auf seine Kommandos reagiert wird, inwieweit er als Gruppenführer Akzeptanz findet und wie letztlich die Stimmung auf dem Boot während der Tour ausfällt ist in hohem Maße davon abhängig, wie er sich und sein Handwerk in der Einweisung darzustellen versteht.
Zweitens gehört eine ausführliche Einweisung zu den Sorgfaltspflichten eines gewerblichen Bootsführers - wer hier pfuscht, muß im Falle eines Unfalles damit rechnen, deswegen zur Verantwortung gezogen zu werden.
Drittens ist er beim Stueren des Bootes häufig auf die Mitwirkung seiner Teilnehmer angewiesen - ein gut erklärter Grundschlag, eine exakte Handlungsanweisung für Notsituationen oder die genaue Erklärung von Kommandos erleichtern ihm die eigentliche Tourendurchführung ganz erheblich.
Jedes Raftingrevier, jeder Flußabschnitt, jede Raftingcompany und letzlich jeder Guide erfordern eine andere Ausführung des Einweisungsgespräches. Die deswegen nachfolgend nur Stichpunktweise zusammengestellte Einweisung ausführlich mit Leben zu füllen, ist eine ganz individuelle Geschichte. Inhaltlich sollten jedoch alle nachfolgenden Punkte behandelt werden - zuviel erzählen kann man in einer Einweisung generell nicht.
kurze Vorstellung der eigenen Person, des Flußabschnittes
Abfrage von Teilnahmevoraussetzungen (Schwimmkenntnisse...)
evt. Verweis auf bestehende rechtliche Auflagen
Funktionserklärung Schwimmweste und Helm (Gurtschlösser, Anpassung usw)
Überprüfung
Fußschlaufen, Querwülste, Körperschwerpunkt
Paddelhaltung
Grundschläge vorwärts/rückwärts
richtiger Paddelrhythmus
je nach Bedarf
Schwimmen im Wildwasser
Aktiver / passiver Wiedereinstieg
Paddel- und Wurfsackbergung
Flip und Reflip


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